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Let´s create future together!

LEBENSpost<br>von Cornelia Cornelia Scala-Hausmann (Bildquelle: Zukunftskompetenzen)

LEBENSpost
von Cornelia

Bei den Tagen der Zukunft widmete sich Cornelia Scala-Hausmann dem Jahresthema „Zukunftskraft Vielfalt". Hier ist die Langversion ihre Impulsreferates zum Nachlesen.

Vielfalt als Lebenskonzept

Vor einem Jahr stand ich ebenso in der Klosterruine Arnoldstein, kurz vor meiner Reise, von der ich vor knapp 3 Wochen zurück gekehrt bin. Damals wusste ich nicht, was mich erwarten würde... dass es jedoch vielfältig sein wird, war mir klar.

Vielfalt ist der natürliche Zustand unserer Welt. Sie dient uns zur Erweiterung unseres Erfahrungsschatzes. Und es ist nicht relevant, ob wir diese Vielfalt suchen oder ob sie zu uns kommt.

Reisen hat jedoch schon eine wichtige Funktion. Wenn jemand nur in den eigenen 4 Wänden bleibt und nie vor die Tür geht... und wenn, dann nur mit seinem Auto bis zum nächsten vertrauten Gebäude fährt, so wird dieser Mensch nur noch von Erzählungen und Berichten die Außenwelt kennen. Genauso ist es, wenn man nicht vor die Tür seines Heimatlandes geht, oder sich dort nur innerhalb von Bussen oder Hotels bewegt.

Stimmt, Vielfalt kann auf verschiedene Art und Weise wahrgenommen werden. Distanziert beobachtend oder aber auch mitten drin erlebend. Der Beobachter wird auch lernen, wenn er wertfrei beobachtet. Ohne Scheuklappen. Er lernt durch Analyse und Überblick. Der Erlebende lernt am eigenen Leib durch direkten Kontakt. Im Idealfall sollten sich beide austauschen oder von Zeit zu Zeit die Rollen wechseln. Denn jedem wird einiges verborgen bleiben. Keiner der beiden hat das ganze Bild.

In einem neues Land erwarten einem viele unbekannte Regeln, Gebräuche und Sitten. Über Internet bekommt man einen Überblick und Beobachten hilft hier nur in ganz bestimmten Situationen vor Ort. Doch um rasch weiter zu kommen, braucht es Kontaktaufnahme. Am besten mit Menschen von der Straße. Berührungsängste sind da nicht vorteilhaft, Reisende brauchen hier einen natürlichen Umgang mit dem Fremden. Neugierde und Freude an Neuem ist der beste Antrieb dafür.

Sind wir hier nicht derzeit in der Gesellschaftsebene genau in dem Bereich gefordert?

Im Businessbereich ist das bereits ein altes Thema, genannt Diversity. In den 90ern sah man darin noch die unterschiedlichsten Arbeitsweisen diverser Identitäten, um ein Organisationsziel zu erreichen. Heute geht es um eine Organisationskultur, die gegenüber allen Menschen offen ist, mögen sie auch noch so unterschiedlich sein. Wo früher Integration und Homogenisierung im Mittelpunkt stand, geht es heute um die Anerkennung des andersartigen Individuums.

Ethische Zugehörigkeit und Religion halten die Welt schon seit Jahrtausenden in Atem. ... derzeitige Ereignisse sollten dazu dienen, neue Wege zu gehen. Forschungsgegenstand ist und war immer das Fremde in jeglicher Form. Je vielfältiger, desto besser. Wenn aus solchen Prozessen gelernt werden würde und daraus neue Kompetenzen und Ressourcen erwachsen, wäre das übrigens meiner Meinung das wahre Wachstum der Zukunft!

Kulturelle Differenzen, soziale Ungleichheit, Rassismus und institutioneller Diskriminierung, wandelnde gesellschaftliche, ökonomische, kulturelle und organisationale Verhältnisse, zunehmende Globalisierung, Transkulturalisierung und Transnationalisierung, der demographische Wandel sowie die (dadurch) zunehmende Schere zwischen arm und reich ...das wird immer in einem Atemzug mit Diversity und Vielfaltsmanagement genannt.

Aber schauen wir es mal von einer persönlichen Seite an: Was durfte ich lernen auf meiner Reise in andere Kulturen?

Einer der größten Schätze, die ich mitnehmen durfte, war der, Berührungsängste verloren zu haben. Ich sehe z.B. Gambianer, Cap Verdianer, Brasilianer etc. nun mit anderen Augen. Nicht, dass ich sie vorher nicht wertgeschätzt hätte. Aber ich verstehe sie nun ein bisschen besser mit ihren Wertigkeiten und Notwendigkeiten.

Wer unsere Reise im Logbuch ein wenig mitverfolgt hat, kennt die Begegnung mit einer Frau in einem Vorort von Banjul, Gambia... oder die mit Christopher, ein 24jähriger Christ aus Banjul, der sein Land gerne verbessern würde... oder ein Student in Tutoia, Brasilien, der als einziger im Dorf englisch sprach... oder unsere Fahrten in den öffentlichen Bussen in Recife und Fortaleza, wo man zwischen den Ärmeren des Landes eingekeilt ist.

Der Umgang mit Diversität ist ein Balanceakt zwischen Gleichbehandlung und anerkennender Differenzierung, ohne Probleme und Schwierigkeiten zu personalisieren, zu kulturalisieren oder zu ignorieren. Dies bedarf einer ständigen Reflexion und der Kritik vorherrschender Kategorisierungen, eigenen Denkweisen und Handlungen. (Die Fußball-EM bietet uns hier ein weiteres Lernfeld.)

Was bringt es nun aber einer Gesellschaft, Vielfaltskompetenz zu entwickeln?

  • Stabilität (in Veränderungen),
  • Kreativität und Innovationsfähigkeit,
  • und Wachstum in völlig neue Bereiche!

Jedem Menschen auf dieser Welt geht es darum, ein gelingendes Leben in Wahrung von Selbstachtung und Identität leben zu können.

Integration alleine führt in die Irre. Es geht um einen "pragmatischen Humanismus", der in der Vielfalt der Identitäten keine Bedrohung, sondern eine Chance sieht. Nicht nur Flüchtlinge müssen integriert werden, sondern alle Menschen! Sei es nach Geschlecht, Herkunft, Bildung, sexuelle Orientierung, Behinderung, Alter oder Religion. Intelligente Integration greift Vielfalt auf und nutzt sie für eine innovative Fortentwicklung der Gesellschaft und damit auch der Wirtschaft.

Immer mehr Menschen auf der Welt verlassen ihre Heimatländer, um woanders zu leben und zu arbeiten. Waren es 1990 noch 154 Millionen, leben heute knapp 232 Millionen Menschen in einem anderen Land als dem, in dem sie geboren wurden, so viele wie noch nie zuvor. Wie kann dieser globale Trend zu einem Gewinn für alle werden?
Über die Grenzen vollzieht sich ein Transfer von Wissen und Fähigkeiten, wobei gerade „weiche" Fähigkeiten für die Zukunftsfähigkeit einer Person, einer Stadt oder eines Landes von Bedeutung sind. Die wenigsten Migranten sind Flüchtlinge, die aus der Not heraus ihr Land verlassen müssen. Die Vereinten Nationen schätzen ihren Anteil an den weltweiten Migranten auf circa sieben Prozent. Die restlichen 93 Prozent sind „Leute, die aus ihrem Leben etwas machen wollen". Insgesamt übertrifft die Emigrationsrate der Hochqualifizierten die der Geringqualifizierten bei weitem. (so das Dossier „World Migration in Figures" der Vereinten Nationen.)

Die Diskussion wird hier oft von irrationalen Ängsten dominiert – und auch von einer gewissen Arroganz, denn die attraktivsten Einwanderungsländer der Welt liegen keinesfalls nur in Europa. Die größte Zahl internationaler Migranten lebt in den USA, gefolgt von Russland. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind attraktive Arbeitgeber für Menschen aus aller Welt geworden. Und Migranten aus afrikanischen Herkunftsländern gehen lieber nach China als nach Europa, wo mehrere Tausend multinationale Unternehmen angesiedelt sind. Der Anteil der wandernden hochqualifizierten Afrikaner z. B. liegt derzeit weltweit bei ca. 3,5 Millionen.

Vielfalt bedeutet immer mehr Komplexität. César Hidalgo vom MIT hat gemeinsam mit der Universität Harvard den „Atlas of Economic Complexity" herausgegeben. Die Botschaft ist simpel: Je komplexer die Wirtschaft eines Landes aufgestellt ist, desto robuster und resilienter ist sie auch. Dabei haben die Wissenschaftler auch einen Komplexitätsindex entwickelt, den ECI (Economic Complexity Index (siehe atlas.cid.harvard.edu/rankings/). Je komplexer und vielfältiger die vorhandenen Fähigkeiten, desto größer sind die Zukunftschancen für die Wirtschaft eines Landes.

Umstände werden immer schwerer berechenbar. Resilienz und Erneuerungskompetenz sind die Fähigkeiten, auf die wir in unserer Wissens-Ökonomie auf dem Weg in eine unberechenbare Zukunft ganz massiv angewiesen sind. Ohne Migration keine Diversität, und ohne Diversität weniger Resilienz und Kreativität.

Noch zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte der Welt gab es so etwas wie ein globales Gleichgewicht. Globalisierung bedeutet letztlich die permanente Anpassung von Ungleichgewichten. Damit ist nicht gemeint, alles scheinbar Unbrauchbare in ein anderes Land zu verschieben, wie Elektronik- und Giftmüll oder auch Menschen... sondern gemeinsam aus den Defiziten neue Wege zu erfinden. Evolution bedeutet per se "zunehmende Komplexität" und führt uns in eine Zukunft, in der das gesamte vernetzte System „Welt" robuster und stabiler werden kann... wenn wir es zulassen.

Denn... eines habe ich auf unserer Reise hautnah erfahren: wir dürfen die Welt nur als Ganzes betrachten. Eine vermeintlich schützende Abgrenzung in politische Teile ist sinn- und zwecklos. Die Zukunft wird uns lehren, uns als Erdenbürger betrachten zu müssen, die landeseigene Vor- und Nachteile managen und global ausgleichen müssen.

Beginnen wir mit unseren Handlungen, das zu leben! Jetzt.

Ihre Cornelia Scala-Hausmann

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