Institut für Zukunftskompetenzen® Let´s create future together! (Bildquelle: © psdesign1 - Fotolia.com)

Let´s create future together!

Flaschenpost von der Florimell Florimell an Land gesetzt (Bildquelle: Cornelia Scala-Hausmann)

Flaschenpost von der Florimell

Cornelia reicht's!

Nicht von der Reise auf dem Katamaran Florimell, sondern von der zugemüllten Welt. Lesen Sie hier ihr flammendes Plädoyer für ein Verbot der Plastiksackerln.

Paradies im Plastiksack

Ich stehe auf dem Deck, 3 m über der Sandboden und blicke verärgert hinab.

Wir haben die Florimell an Land gesetzt, um ihr Unterwasserschiff von Muscheln befreien zu können. Bei den hiesigen Gezeitenunterschieden von 2,7m bei Neumond geht das mit einem Catamaran und einem sanft abfallenden Sandstrand ohne Probleme.

„Der schlimmste aller Fehler ist, sich keines solchen bewusst zu sein."

(Thomas Carlyle)

Ich spreche leider kein brasilianisches Portugiesisch - also muss ich anders kommunizieren. Ich steige die Badeleiter, die jetzt im Trockenen hängt, hinab und beginne neben und zwischen den Fischern den Müll einzusammeln. Keine Reaktion. Sie schauen verwundert her und dann betreten weg. Es sind hauptsächlich Plastiksackerln.

Schon in Recife hatten wir über 50 Stück (!) im Hafen am Anker hängen. Die Fische, das Wasser... es muss voll von Plastikmolekülen sein. Mahlzeit.

„Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, indem man sie ignoriert."

(Aldous Huxley)

Plastiksäcke sind der Hauptanteil von Müll weltweit. Sie werden unkontrolliert entsorgt, vom Wind verweht, eingegraben, oder einfach am Straßenrand verbrannt. Der beissende Rauch verteilt sich im Dorf und weiter mit dem Wind in die globale Atmosphäre.

Als 1961 das erste Plastiksackerl ausgeteilt wurde, hat (wieder) keiner an die Folgen gedacht. Dass die Zersetzung hunderte bis tausende Jahre dauert, war uninteressant. Hauptsache, es war praktisch. Für 25 Minuten. Das ist die Zeit, die im Durchschnitt so ein Sackerl benutzt wird, bevor es im Müll landet.

Und es landen zig Milliarden tägilch (!) im Müll. Und das Ergebnis sind Müllstrudel in Kontinentalgröße in den Ozeanen, vermüllte Strände, Gewässer, Plastik in unserem Essen etc. etc.

In nur 50 Jahren!

Das ist ebenso gut gelungen wie die Atomenergie, die Düngemittelindustrie und vieles andere. Man könnte beinahe gratulieren, wenn es nicht so traurig wäre.

„Bewusst zu werden, dass man unwissend ist, ist ein großer Schritt zur Erkenntnis."

(Benjamin Disraeli)

Dabei war das Plastiksackerl in den 70ern schon verpönt! Auch ich transportierte meine Schulbücher in einer Stofftasche mit Aufschrift „Jutte statt Plasik!" - Damals hätte man tatsächlich noch vieles verhindern können auf dieser Welt.

Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun."

(Molière)

Nun gibt es ja doch Länder, die reagieren! So ist es ja nicht. Spät aber doch.
Bangladesch hat Plastiksäcke seit 2008 verboten, weil es im Monsunregen die Kanäle verstopft. (Es muss immer erst etwas passieren, damit gesetzliche Reaktionen erfolgen!) China ... (3 Milliarden Plastiksackerln täglich!) verbot die dünnen Sackerln, die dicken gibt es nur noch kostenpflichtig. Südaustralien, Teile von Nordaustralien, Bhutan, Frankreich, Italien... sind alles Länder, die ein Verbot gesetzlich verankert haben und Strafen exekutieren können. Irland setzte den Preis für ein Plastiksackerl so hoch an, dass der Verbrauch um 90% zurück ging - das ist die andere Möglichkeit.

„Wenn jeder auf seinem Platz das Beste tut, wird es in der Welt bald besser aussehen."

(Adolph Kolping)

Österreich und die EU? ...da wird wieder herumgeeiert. Vermutlich will man die Plastiklobby nicht zu sehr kränken. Man möchte den Verbrauch auf „nur" 40 Sackerln pro Kopf im Jahr herabsenken. (Hallo? Das sind wieviel Millionen im Jahr gesamt!?) Und was tut der „Otto Erdenbewohner"? Er wartet und tut nichts. Statt selbst das Ruder in die Hand zu nehmen für seinen eigenen Lebensraum und einfach keine Plastiksäcke mehr zu verwenden! Wie schwer das doch ist!

Wir haben bereits Schildkröten in Plastik gesehen... Plastik in Vogelnestern ... um den Hals eines Pelikans ... etc.

„Die Scheu vor Verantwortung ist die Krankheit unserer Zeit."

(Otto von Bismark)

Stoff- oder Papiersäcke sind angesagt! Und wann wird die Politik soweit sein, den Plastikerzeugern ein zersetzbares Rezept zu verordnen? Und die Pflicht, für bisherige Schäden umweltsäubernde Verfahren zu entwickeln??? Anstatt die Verantwortung abzuschieben und nur den Gewinn einzustreifen?

Wäre das eine Möglichkeit?

„Wenn ich es nicht mache, macht es ein anderer, sagen sie und vergessen dabei, dass sie vielleicht schon jener „andere" sind."

(Otto Gritschneder)

Das alles geht mir durch den Kopf, während ich Plasiksackerln aus dem Wasser und aus dem Sand ziehe ...

Es gibt schwierige und weniger schwierige Dinge auf dieser Welt zu lösen. Das Plastiksackerl wäre ganz einfach zu lösen!

Was wäre, wenn morgen niemand mehr Plasiksackerl entgegen nimmt? Und nur noch nach den zersetzbaren aus Mais- oder Kartoffelstärke oder aus Papier fragt, vor allem beim Abwiegen von Gemüse und Obst in den Supermärkten!? Oder zumindest diese Sackerln nicht gedankenlos wegwirft, sondern wieder verwendet?

Institutionen wie Greenpeace sollten exekutiven Status bekommen. Eine Umweltpolizei, die global denkt, wäre ein Hit, die ohne Kompromisse die Interessen der Erde und damit der Menschen verteidigt. Aber vielleicht ist das bereits eine „Mission Impossible"?

Im Pazifik werden wir jedenfalls keine Angeln mehr auswerfen...

Grüße von Bord der Florimell,

Ihre
Cornelia Scala-Hausmann

Link zu ww.florimell.at > aktuell

Besuchen Sie Institut für Zukunftskompetenzen® auf facebook Besuchen Sie Institut für Zukunftskompetenzen® auf twitter Besuchen Sie Institut für Zukunftskompetenzen® auf google plus Besuchen Sie Institut für Zukunftskompetenzen® auf youtube Besuchen Sie Institut für Zukunftskompetenzen® auf xing
Institut für Zukunfktskompetenzen Tage der Zukunft Zukunftskompass Zukunftsprojekte