Institut für Zukunftskompetenzen® Let´s create future together! (Bildquelle: © psdesign1 - Fotolia.com)

Let´s create future together!

Flaschenpost: Das<br> ist ja so typisch ... Na typisch, immer wieder dieses Verkehrschaos ... (Bildquelle: Cornelia Scala-Hausmann)

Flaschenpost: Das
ist ja so typisch ...

Auf der Entdeckung nach neuen Horizonten widmet sich Cornelia diesmal dem Thema Schubladen und Vorurteile.

Typisch! ...von Schubladen und Vorurteilen

An den Orten, wo Segler ihre Boote über die Hurricane-Saison abstellen, kommen viele Nationalitäten und Kulturen zusammen. Unser Marina-Besitzer ist amerikanischer Jude (seine Exfrau mit ihrer Marina visavis, amerikanische Katholikin), Deutsch-Kanadier, Niederländisch-Kanadier, Franko-Kanadier, Englisch-Kanadier, Amerikaner (Süd-, Nord-, West-, Ost-), Holländer, Franzosen, Belgier, Deutsche, Schweizer, Neuseeländer, Australier, Kolumbianer, Paraguayer, Israelis, Südafrikaner... u.a.m.

Nicht überall, wo Wasser ist, sind Frösche; aber wo man Frösche hört, ist Wasser.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Und es passiert immer wieder in Gesprächen, dass pauschaliert wird. „Die" Amerikaner... „die" Deutschen (mit denen wir Österreicher immer in den selben Topf geworfen werden)... „die" Franzosen... etc.

Letztens kam es zu einer ziemlich hitzigen Debatte, weil der Marina-Chef einen Konflikt mit einem schwarzen Officer in Belize bei der Einreise hatte. Ein Wort gab das andere und schließlich gab es nur noch „die" Nigger und „die" Amerikaner. Uralte Konflikte lebten wieder auf – die doch längst vergessen sein sollten!

Ein Frankokanadier kam dann im Zuge der Diskussion mit Louis XV, der Kanada gegen die Karibik eintauschte, was er ihm heute noch übel zu nehmen schien, und war fest davon überzeugt, dass „die" englisch-kanadischen Leute „die" franko-kanadischen hassen würden.

Die umsitzenden Segler dementierten diese Ansichten sofort, kein Volk kann pauschal beurteilt werden – auch Amerika mit Trump ist in sich selbst völlig uneinig über diesen Präsidenten und jeder US-Bürger, den wir bisher trafen, wollte ihn absetzen.

Die Menschen begegnen sich nicht persönlich. Es treffen nur ihre Vorurteile aufeinander…
(Elmar Kupke)

Die Frage, die ich mir stelle, ist: Wieso neigt der Mensch trotz aller Intelligenz zu diesem destruktiven, dummen Verhalten?

> Stereotypen – heißt es in der Psychologie – sind Meinungen, die mit einem positiven oder negativen Gefühl verknüpft, eine Einstellung gegenüber Menschengruppen erzeugen. Vorurteile müssen also nicht immer negativ sein – so heißt es doch auch (nicht nur unter Seglern) „Die Deutschen sind ordentlich und genau".

Der Glaube an Vorurteile gilt in der Welt als gesunder Menschenverstand.
(Claude-Adrien Helvetius)

Jeder Mensch hat Vorurteile, wissen Forscher zu berichten. Wir können uns gar nicht dagegen wehren, denn viele sind unterbewusst, seit Kindheit eingeprägt. Einerseits hat es den Vorteil, dass wir bei Entscheidungen nicht mehr viel nachdenken (müssen) – andererseits den Nachteil, dass unsere Entscheidungen eben vorgeprägt sind.

Die Evolution scheint uns dadurch schneller handlungsfähig machen zu wollen – vor allem zur Zeit der Jäger und Sammler oder der Stammesfehden war das wohl überlebenswichtig. Und allein, dass wir heute dieses Thema bewusst hinterfragen, zeigt, dass sich evolutionär etwas getan hat (bei den meisten zumindest). Wir nennen es in unseren Lehrgängen auch Fremdbestimmung – wenn wir nur noch automatisch ohne Reflexion irgendwelchen vorgefertigten Meinungen folgen.

Das Vorurteil ist eines der größten Feinde der Menschenkenntnis.
(Nico Szaba)

Bei blitzschnellen Entscheidungen wäre es empfehlenswert zu prüfen, woher sie kommen: „Den können wir nicht einstellen, der kommt aus einem anderen Bereich und da kann er sicher unseren Zugang nicht verstehen..." bis hin zu „Ein Schwarzer würde unsere Teamharmonie gefährden." Oder „Diese hübsche Frau soll ein Mathe-Genie sein?" etc. – Sie glauben es nicht? In Tests bestätigen Forscher leider bis heute noch solche pauschalierten Meinungen. Schlimmer noch: Wenn man einen Menschen mit einer Person konfrontiert, die das Gegenteil beweist, wird nicht etwa das Vorurteil revidiert – nein! Es wird ein weiteres geschaffen! „Das ist ja keine normale Frau, das ist ja eine Ausnahme (Emanze, Amazone)" oder „Meine Putzfrau ist ja anders als die anderen Syrer, Türken, Kroaten etc." (orginal schon in Gesprächen gehört!) Wir spalten also alle Informationen, die nicht ins Bild passen, einfach ab.

Viele Menschen denken, sie dächten bereits, wenn sie lediglich ihre Vorurteile neu ordnen.
(Sir William Jones)

Noch schlimmer ist, dass diese Vorurteile unbewusst auch auf uns selbst wirken! Alleine wenn wir hören, dass alte Menschen gebrechlich sind, werden wir auch langsamer! (John Bargh von der Yale University)

Und das allerschlimmste ist, dass schon die Erwähnung einer solchen Stereotype unsere Leistung beeinflusst! Allein zu hören, dass Frauen in Mathe schlechter sind als Männer, bewirkt, dass sie es tatsächlich sind! Sogar das bloße Ankreuzen des Geschlechts bei einer Uni-Prüfung reicht hier schon aus!
(Claude Steele von der Stanford University)

Sie meinen, das sei überholt? Sie haben keine Vorurteile?
Jeder der meinte, er hätte keine Schubladisierungen und sich einem Test unterzog, wurde eines besseren belehrt.
(Joshua Correll von der University of Chicago und Bernadette Park von der Colorado University)

Noch dazu bemerken wir Menschen, wenn uns ein anderer in Schubladen steckt – und sind diese negativ besetzt, fühlen wir uns zumeist bedroht. Das wiederum führt zu einem Kreislauf, in dem sich Vorurteile vice versa bestätigen. Es reicht bereits, wenn jemand damit rechnet, dass ihm Vorurteile entgegen gebracht werden. Die Erwartung beeinflusst bereits sein Handeln und Sein. Vorurteile sind also alles andere als harmlos.

Es bleibt nicht aus, dass wir von anderen in eine ihrer Schubladen gesteckt werden. Bedenklich wird es aber, wenn wir uns dort wie zu Hause fühlen.
(Ernst Ferstl)

Jede Schublade, die uns die Welt erklärt, entlastet uns. „Das ist eben so!" macht uns das Leben leichter. Jemanden die Schuld am Elend der Welt (oder der Errettung daraus) zuzuschieben ist bequemer als die komplexen Parameter zu ergründen, die für uns emotional weniger befriedigend wären. Wir teilen in möglichst einfache Kategorien ein – alt & jung, arm & reich, weiss & schwarz, weiblich & männlich, dick & dünn etc., um die Flut der Information besser verdauen zu können. Medien und Werbung machen sich das zunutze.
(Gerhard Roth, Professor für Verhaltensphysiologie an der Universität Bremen)

„Es spricht vieles dafür, dass in einem leeren Kopf die Vorurteile besonders blühen."
(Sir Peter Ustinov)

Woher sie genau kommen, kann man noch immer nicht sagen, Vorurteile machen misstrauisch und sind leider in 9 von 10 Fällen negativ besetzt. Und abgesehen davon werden es im Normalfall im Laufe eines Lebens eher mehr als weniger. Unser Gehirn neigt zur Einfachheit und blendet liebend gern komplizierte Parameter aus. Und je mehr Druck wir haben, desto radikaler.

Forscher fanden einen Weg, das Gehirn „umzuprogrammieren", indem gegenteilige Klischees in Bildern und Tönen zusammengebracht und im Schlaf durch die Töne verstärkt wurden, das scheint jedoch der einzige wissenschaftliche Erfolg zu sein.

Jede noch so kleine Information lässt uns Schubladen suchen, in die wir sie einordnen können. Und einmal dort, kommen sie nicht so leicht wieder raus. Ausnahmen bestätigen unsere Regeln eher, als dass sie sie uns revidieren lassen. Wir nehmen auch eher das wahr, das mit unseren Schubladen konform geht als jenes, das ihnen widerspricht.

Außer – wir hinterfragen uns!

Offenbar sind wir nun an einer evolutionären Stufe angekommen, wo das möglich ist! Und als Lernfeld wird uns die derzeitige Geschichte der Welt serviert. Empathie und Vielfalt prüfen, ob wir damit klar kommen... dummerweise sind diejenigen, die sich und andere hinterfragen, wiederum unbequem und werden in die Schublade der Querulanten etc. gesteckt.

„Das beste Mittel gegen Vorurteile ist – sich Zeit zum Denken nehmen"
(Juliane Degner)

Aber es besteht Hoffnung – denn in einer Welt der zunehmend vereinten Gegensätze tun wir uns mit Schubladisierungen immer schwerer und müssen sie mehr und mehr aufbrechen. Zukünftige Generationen gehen durch die Vielfalt schon anders damit um. Gottseidank – und dafür sind die neuen Medien auch gut. Denn durch sie kann ein Guatemalteke in den Bergen sehen, dass es anders ist, als Eltern oder Großeltern erzählen... und er wird neugierig. Und ist er mutig genug, kommt er eines Tages in die Stadt, in die Marinas und trifft auf Europäer und Amerikaner...

Francesco ist 18. Er schmuggelte sich in die Marina auf der Suche nach Arbeit. Er darf das nicht. Er dürfte nicht mal in die Stadt hinunter. Doch er wollte wissen, ob die Weißen wirklich so reich und so hasserfüllt sind... und so kam er zu unserem Boot und half uns bei manchen Arbeiten... und er revidierte das Urteil seiner Familie und verdiente gutes Geld... das er seinen Eltern brachte, die jedoch ihre Vorurteile nicht veränderten...

Ein Glück, daß man nicht alle kennt, die man nicht mag.
(Michael Richter)

Mit dem Satz „Vielleicht ist es aber auch ganz anders!?" geschult, tue ich mir ein wenig leichter im Aufbrechen von Meinungen, Vorurteilen und Grundsätzen. Wer gerne hinter die Kulissen des Lebens schaut, findet hier mehr Befriedigung als in einfachen Glaubenssätzen.

Ihre
Cornelia Scala-Hausmann

Buchempfehlungen:

  • „Achtung! Vorurteile" ein Buch über den „womöglich größten Schurken in der Geschichte von uns Menschen"/Sir Peter Ustinov
  • „Stereotype, Vorurteile und soziale Diskriminierung" / Lars-Eric Petersen
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