1. Hautnah

Mehr noch als die Buckelwale, die ich nur vom Boot aus erleben konnte, inspirierte mich der riesige Stingray, den ich für eine kleine Weile auf meinen Armen halten durfte… er ließ es sich vielleicht eine Minute lang gefallen, aber es war eine wunderschöne kleine Ewigkeit für mich, seine samtig weiche Haut und den darunter verborgenen starken Muskel zu spüren… seine Augen direkt vor den meinen zu sehen und seinen Stachel unter ihm zu wissen… er müsste es nicht dulden – aber er tat es. Und das war ein unglaubliches Geschenk… ich dachte daran, dass er frei ist und freiwillig hier ist… diese kurze Zeit erlaubte er mir, ein wenig von ihm zu erfahren, seine Kraft zu spüren, seine Wildheit… und einen kurzen Moment war ich wie er…

 

2.Hoch hinauf – tief hinunter – und hinüber…bis an die Spitze!

Als ich in Guatemala den Pacaya Vulkan bestieg, spürte ich zunächst und hörte dann auch ein tiefes WBUUUUMMMM… wbuuuUUUUM…. wbuuuUUUMM… in regelmäßigen Abständen… das Schnauben der Pferde neben mir hatte ich bald ausgeschlossen… und tatsächlich, der Berg atmete! …wie ein mächtiges Wesen schnaubte er in regelmäßigen Abständen Asche aus! Ich fühlte mich wie an einem direkten Draht zu unserer Erde, zum Herz unseres Planeten.

Ähnlich wie im Blue Hole in Belize, wo ich am Masttop oben, das kreisrunde Schwarzblau mitten im Atoll überblickte und die Zeit stehen bleiben ließ… oder wie bei der Überquerung der Devil’s Bridge in Antigua, die jeden Moment einstürzen kann… Was ist es, das mich zu diesen Erfahrungen zieht?

 

Ich denke, weil es mich immer wieder an meine eigene Kleinheit erinnert, mir Bewunderung für das Große schenkt und mich einen kurzen Moment lang in seine Hand begeben lässt. Das schafft eine Verbindung. Und gibt Ruhe. Und Kraft… für die Dinge im Leben, die einem Mut abverlangen.

Das bringt mich zu einer besonderen historischen Figur, deren Spirit mir in St. Martin an der Spitze der französischen Festung bewusst wurde. Ich spürte den Kampfgeist und die Unerschrockenheit vergangener Zeiten in mir… so musste sich Jean d’Arc gefühlt haben… welch mutiger Mensch sie gewesen sein muss! Wir alle kennen sie aus Büchern… aber können wir sie uns auch vorstellen…uns in sie hineinfühlen? Durch all diese Erlebnisse kann ich es einen kleinen Moment lang und ich weiß, wenn es drauf ankommt, kann ich es auch länger.

 

 

  1. Office@alleinaufeinerinsel.com

Barbuda… weit und breit keine Häuser… keine Boote… keine Menschen. Nur ein Sammelsurium an Treibgut… wie das Leben selbst? Sogar ein Schreibtischstuhl stand mutterseelenallein mitten am grünen Pflanzenteppich… welch ein Büro ist das hier? … braucht es mehr?

Hier ist das Worldwideweb der Sternenhimmel… das Archiv Treibgut… und der Schreibtisch ein riesiger Sandstrand…auf dem ich meine Spuren für einen kurzen Moment hinterlasse…

 

Spuren

Und so schau ich zurück, welche Spuren das vergangene Jahr in mir hinterlassen hat: Freiwillig gebe ich immer wieder meine Freiheit auf, um etwas zu schenken… Demut gegenüber dem, was größer ist als ich und der Mut, der darin verborgen ist… neue Verbindungen und ein virtuelles Büro, das das Leben mit all seinem Treibgut ordnet…

 

…so will ich das Neue Jahr beginnen.

Cornelia Scala-Hausmann

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