„Die wahre menschliche Weisheit ist es, sich des Nichtwissens bewusst zu sein…“

 

Sokrates ist auch heute noch dafür bekannt, dass er sein Wissen immer hinterfragt und darauf hingewiesen hat, dass Wissen oft ein beweisloses Für-selbstverständlich-halten sei. Gesichertes Wissen finde man, seiner Meinung nach, bei Menschen generell nicht…

Je mehr man schon weiß, desto mehr hat man noch zu lernen. Mit dem Wissen nimmt das Nichtwissen im gleichen Grade zu oder vielmehr das Wissen des Nichtwissens. (Friedrich Schlegel)

Meine letzte Lebenspost brachte mich noch auf einen anderen Gedanken, der in unsere heutige Zeit passt: Wer es nicht besser weiß, kann es nicht besser machen. Wer es besser weiß, könnte manches besser machen. Doch heute wissen wir schon so einiges, machen es aber nicht! …Weil wir nicht daran glauben.

Es gilt nicht mehr der Satz: Denn sie wissen nicht, was sie tun. Heute muss es heißen: Sie tun nicht, was sie wissen. (Robert Jungk)

Ich finde es faszinierend, dass wir von unseren heutigen Wissenschaftlern viele Informationen erhalten, aber dennoch so leben, als gäbe es dieses Wissen nicht. Nicht selten finde ich in Gesprächen immer wieder die Aussagen „Ja, das ist zwar wissenschaftlich bewiesen, aber wer kann denn das schon umsetzen!“ Wir wollen nicht wahrhaben, dass uns gewisse Erkenntnisse eigentlich dazu zwingen würden, unser Weltbild und damit unseren Lebensstil zu verändern. Also verdrängen wir es. Wir glauben es einfach nicht, weil es nicht in unser Weltbild passt.

Dumm ist nicht, wer nichts weiß, sondern wer glaubt, er würde schon genug wissen. (Thomas Möginger)

Wonach handelt aber ein Mensch? Er handelt nach seinen Glaubenssätzen. Auch wenn er es besser wüsste… weil er die Dinge und die daraus folgenden Konsequenzen nicht zu Ende denkt. Also sind wir so klug wie nie zuvor und doch zu dumm, es umzusetzen?

Unser Wissen ist das Resultat unserer Erfahrungen. Unsere Erfahrungen sind das Resultat unserer Dummheit. (Sasha Guitry)

Hier ein paar Beispiele, die doch unser Handeln im Alltag bestimmen:

  • Wir wissen, dass Materie nicht fest ist, sondern eigentlich aus kleinen, schwingenden Teilchen besteht, die noch dazu mental beeinflusst werden. Aber glauben wir daran?
  • Wir wissen, dass wir mit unserer Art der globalen Weltpolitik und Weltwirtschaft den Ast absägen, auf dem wir sitzen… aber glauben wir daran?
  • Wir wissen, dass wir bei wiederholten Genuss von Suchtmitteln und synthetischen Nahrungsmitteln (denn Lebensmittel kann man diese Stoffe nicht nennen) unsere Gesundheit ruinieren… aber glauben wir daran?
  • Wir wissen, dass wir bei Unterlassung bestimmter Handlungen bald eine Rechnung zu begleichen haben, deren Summe unsere Möglichkeiten bei weitem übersteigt…
  • Wir wissen, dass wir unsere Erde, und damit uns selbst, zugrunde richten… …aber glauben wir daran?

Wir wissen so vieles und wenn uns jemand darauf aufmerksam macht… lächeln wir verlegen und meinen „Jaaa, ich weiß… aber das darf man nicht so eng sehen…“ oder: „Was soll ich als einzelner denn dagegen schon machen…!“

Die Wissenden reden nicht viel. Die Redenden wissen nicht viel. (Aus China)
Die Weisen handeln (im besten Glauben und Wissen um ihr Nichtwissen).

Der Mensch ist schon ein seltsames Wesen. Irgendwie hat sich die Aussage von Sokrates umgekehrt in unserer Zeit. Wir wissen mehr als wir glauben… glauben aber nicht, was wir wissen!

Die Zeit wird kommen, wo unsere Nachkommen sich wundern, dass wir so offenbare Dinge nicht gewusst haben. (Seneca)

Je mehr ich auf dieser Welt sehe und erfahre, desto mehr weiß ich. Und muss immer mehr glauben… glauben an die Lösungen unserer Probleme auf dieser Welt – oder mit Platon’s Worten: an das Gute, Schöne und Wahre.

Und danach handle ich. Und damit verändere ich diese Welt. Im Kleinen. Und damit im Großen… immer wieder. Denn an manches glaube ich nicht mehr… dass wir mit alten Lösungen neue Probleme lösen können… dass wir mit unseren bisherigen Denkmustern weiter kommen… und dass wir noch lange so tun können, als ginge uns der Rest der Welt nichts an.

Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf – es kommt nur auf die Entfernung an. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Die Intellektuellen unter uns machen es ganz gewieft. Sie widerlegen das, was sie nicht wissen wollen, glauben an das, was sie wissen wollen und stellen letzteres zugleich als bewiesen hin.

Wissen schafft auch die Erkenntnis, dass letztlich alle Wissenschaft auf Glaubenssätzen fußt. (Thom Renzie)

Mit diesen Überlegungen finde ich den Ausspruch von Sokrates keinesfalls paradox. Sondern äußerst logisch. Ich weiß, dass ich nicht weiß… dass ich glaube, zu wissen… dass ich nicht immer glaube, was ich weiß.

Um sein Nichtwissen zu wissen ist das Höchste. Um sein Wissen nicht zu wissen, ist krankhaft. (Laotse)

 

Was glauben Sie nicht, obwohl Sie es wissen?

Der Kluge weiß von seiner Dummheit, der Dumme nicht. (Julian Nasiri)

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: