Ich sitze gerade an Deck unseres Catamarans und blicke um mich. Wir sind mitten im Nirgendwo der kubanischen Cayos, den südlich vorgelagerten Riffinseln. Sie sind kaum bewohnt, an zwei bis drei Plätzen gibt es Touristenstrände… aber sonst ist hier niemand außer Reiher, Krokodile, Mangroven und türkisgrünes Wasser.

Eine karge Landschaft. Wenig Abwechslung. Und doch speziell.

In der Ruhelosigkeit unserer Gesellschaft ist eine solche Ruhe wohltuend, sofern man es schafft, sie auszuhalten. Oft sehnen wir uns danach, aber sobald es ruhig ist, flüchten wir wieder in Unruhe, beschäftigen uns, tun und denken vieles parallel.

Körperlich sind wir hier schon etwas weiter. Wir werden achtsamer, was wir unserem Körper zumuten und was nicht… machen Fastenkuren und halten uns fit. Ein dicker Bauch mutiert vom Symbol für Reichtum und Lebenslust zum Makel für Dummheit und Armut. Die Erfolgreichen und Intelligenten unserer Zeit sind schön und fit, sie lassen sich nicht mehr gehen, sie haben sich im Griff…

…im Gehirn allerdings ist von Fasten und Fitness keine Rede. Da darf alles hineinströmen, das wird weiterhin ungefiltert mit allem gefüttert und vollgestopft.

 

„Wir leben in einem System des ständigen Getriebenseins, gehen mit unserem Körper besser um als mit Geist und Seele… aber im Gehirn frönen wir einer ungezügelten Völlerei… stopfen es mit unwichtigen Informationen voll und geben ihm kaum die Möglichkeit zu verdauen… das Problem ist unser ständig auf Zerstreuung und Beschleunigung programmiertes Betriebssystem…“

(Ulrich Schnabel / Muße – vom Glück des Nichtstuns)

 

Schlimm, wenn wir sowohl in Magen als auch Gehirn übervoll sind. Und das täglich. Klatsch, Zeitungen, Fernsehen, Filme, Bücher, Arbeit und vieles mehr, was wir gar nicht bemerken. Kein Wunder, dass wir übergehen… manchmal sogar überkochen.

Da wäre es doch hilfreich, sich reizarme Räume zu schaffen, wie in der östlichen Philosophie ZEN, nicht nur körperliche, sondern auch geistige Diät zu halten, unsere Möglichkeiten zu reduzieren und Ballast abzuwerfen.

…hier ist so ein Ort, wo das möglich ist… hier in den Cayos von Cuba. Wo nichts zu sehen ist, wo nichts zu finden ist, außer Reiher, Krokodile, Mangroven und türkisgrünes Wasser…

 

mit diät-geistigen Grüßen

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

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