Soeben lese ich über einen Trend mit dem neudeutschen Namen „Slow Travel“… überhaupt wird immer mehr „Slow“, nachdem das „Fast“ an die Grenzen der Erträglichkeit stößt: „Slow-Design“ – mit Selfmade als neues Statussymbol, „Slow Media“ – wo man sich bewusst gegen die Informationsflut entscheidet… vielleicht auch bald „Slow Business“ oder „Slow Finance“ (das hätten wohl viele gern schneller)… welche Tore täten sich bei „Slow Partnership“ oder „Slow Study“ auf?… Da seh’ ich schon recht amüsante Szenerien!

Wie so oft, werden auch hier genau zehn Parameter genannt, die bei Slow Travel relevant seien, die jedoch sicherlich nicht neu sind:

  • Das Tempo drosseln (…entspannen, nichts muss sein)
  • Die Komfortzone ausweiten (…mal was anderes)
  • Das Leben (die Reise) vereinfachen (…weniger ist mehr)
  • Pläne loslassen (…nichts für Kontrollfreaks)
  • Weniger ausgeben (!)
  • Fuß fassen und ankommen (…auf einen Ort einlassen)
  • Sich einfügen (…beobachten und Kontakt aufnehmen)
  • Auf Fremde vertrauen (…auch wenn’s schwer fällt ;-))
  • Dankbarkeit zeigen (…aussprechen und zeigen!)
  • Das Gewöhnliche wertschätzen (…was ist schon gewöhnlich?)

Offenbar kommen immer mehr dahinter, dass in der Langsamkeit einiges zu gewinnen ist. Und die Individualisten unter uns gehen sowieso ihre eigenen Wege.

Im „Slow“ findet so mancher ein neues Reisegefühl – ganz gleich, ob mit kleinem oder großem Budget. Slow kann sich jeder leisten. Sofern er es will.

Einmal bin ich einer Busrundreise erlegen… die Konversation war „Schau!… Mist vorbei… Doch da! … Wo? … Da hinten! … Ah… seh’ ich nicht mehr.“ Oder: „Boah! Da vorn… das musst’ fotografieren! …Maaah! Wo ist jetzt die Kamera? ….Shit, vorbei…“

Und so weiter und so fort. Sightseeing mit dem Bus ist wie Fernsehen. Man lässt es an sich vorüber ziehen. Fernsehen kann man aber zu Hause bequemer. Und billiger.

Busreisen als Transport zum Ziel finde ich fein, aber als Besichtigungsrundreise nicht zweckmäßig – außer, um loslassen zu üben: Da gibt’s was zu sehen! – loslassen. Ah, da wäre wieder was… loslassen. Fotos sind wichtig? …loslassen. Was man sieht, sieht man, was nicht, nicht. Loslassen. Am besten schlafen, meditieren, Musik hören etc. oder einfach mit Reisegefährten plaudern.

Am Segelschiff ist man sehr „slow“ unterwegs und muss sich dennoch im Loslassen üben. Es kann passieren, dass man seit Monaten ein Ziel ins Auge fasst… der Wind dreht… – loslassen. 😉

Hier in Kärnten wird es kälter um uns… und in mir keimt die Vorfreude auf die tropische Wärme wieder auf. Die nächste Segeletappe wartet, die über den gesamten karibischen Inselbogen gegen Norden und über Mexiko, Belize, Guatemala und Honduras wieder gegen Süden führen wird.

 

Was wird uns diesmal begegnen?

Was immer es sein wird – ich werde es „slow“ angehen.

 

Doch bevor wir (leider doch sehr schnell) abreisen, wird noch verabschiedet.

Am 20. Oktober ab 19.00 Uhr geben wir eine kleine Abschiedsfeier im Reigen von Harald Klärner’s Kunstausstellung „Die Wächter“ im eduCARE in Treffen am Ossiacher See.

Es gibt ein paar erzählerische Rück- und Ausblicke über unsere Reise und Harald führt durch seine Ausstellung mit 40 Wächterobjekten, Segelkunststücken und Zeichnungen.

Ein gemütlicher „slower“ Abend mit entschleunigenden Gesprächen.

Ich freue mich auf Ihr Kommen.

 

Und von denjenigen, die nicht persönlich dabei sein können, verabschiede ich mich hiermit schriftlich… denn der nächste Newsletter kommt schon wieder von Bord der Florimell, allerdings noch auf dem Trockendock in Trinidad…

 

Also bis zur nächsten Flaschenpost,

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

Sommer-nach-träume & Lebensarbeit

Der Sommer dient vielen als Verschnaufpause. So auch für mich. Wenn auch etwas anders als bei den meisten. Ist man ein Jahr unterwegs, schieben sich einige Dinge zusammen, die dann in kurzer Zeit erledigt werden wollen… wenngleich das ja auch nur der eigene Anspruch ist 😉 Auch abseits der Ozeane mit beiden Beinen fest auf zumeist österreichischen Boden ist ständig etwas zu tun.

Mitte Mai von der letzten Segelreise zurück gekehrt, brauchte es das erste Monat, um anzukommen und sich zu erholen. (Nein, so eine Reise ist kein Urlaub!) Das zweite Monat, um wieder organisatorisch einzusteigen und Dinge zu planen, die geplant gehören. Das dritte, um Freunde zu besuchen und Projekte zu finalisieren, die existenziell sind.

… bleiben noch zwei Monate… NUR noch zwei Monate!

Der September steht unter dem Stern einer Wohnung für Tochter in Wien… Organisation einer Kunstausstellung für Harald… eventuell doch noch einen Reisevortrag vorbereiten… den neuen Fernlehrgang – nun endlich in den letzten Monaten komplett neu überarbeitet – online zu stellen… und die nächste Reiseetappe zu planen… (Ja, Mitte Oktober soll es wieder nach Trinidad gehen)

 

Zeit ist relativ.

 

Wenn ich mein Leben betrachte und vor allem hinein fühle, so wird mir eines klar. Bis vor ein paar Jahren war ich unglaublich beschäftigt im Außen. Ich hatte immer das Bild, mit einem Pflug gleichzeitig mehrere Felder zu pflügen. Es gelang auch nicht mal so schlecht und war für mich völlig in Ordnung zu der Zeit.

Jetzt, quasi als „Aussteigerin“ sollte man meinen, dass das Leben „Urlaub“ wäre. Doch jetzt bemerke ich, dass ich erst wirklich zu arbeiten beginne!

Diese „Arbeit“ fühlt sich jedoch weit essenzieller an als bisher. Es ist Seelenarbeit und als solche tiefgehend und nicht minder anstrengend. Jetzt erst konnte und kann ich mein bisheriges Lernen vom Leben immer mehr bündeln – in Büchern, die z.T. schon erschienen sind, z.T. in Arbeit sind – in einem Fernlehrgang, der immer anspruchsvoller wird – in der Abnabelung meiner Kinder – in der Beziehung, die immer spannend bleibt – und schließlich in der Organisation meines Lebens an sich, mit Reisen und finanzieller Unabhängigkeit.

 

Ja, mein Leben ist Arbeit – und Arbeit ist Leben. Tatsächlich.

 

Arbeit ist für mich „wesentlich“ geworden. Ist sie das für mich und mein Wesen nicht, ist es Beschäftigung, die ich zu vermeiden versuche. Alles zu seiner Zeit

Erst jetzt, mit 51, gelange ich zu einer Freiheit, die ich mir nehmen musste, um sie erleben zu können…. und erst jetzt habe ich das Gefühl, so richtig Lebensarbeit zu verrichten, unabgelenkt von fremdbestimmten beschäftigungstherapeutischen Zwängen.

Wie war das möglich?

…indem ich Besitz aufgelöst und unternehmerisch eingesetzt habe. Indem ich Freunden vertraut und losgelassen habe. Indem ich vieles einfach hergeschenkt und anderes nicht mehr angenommen habe. Indem ich manches, das sich seltsam anfühlte, einfach nicht entschieden habe. Indem ich einfach nur das Leben vorwärts Schritt für Schritt ohne viel Planung gelebt habe.

Faszinierend.

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei Ihrem nächsten geplanten, aber vor allem bei Ihrem nächsten ungeplanten Schritt in den Herbst!

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

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