…verreisen Sie im Sommer? Oder bleiben Sie im Lande?

Das Reisen ist ein Teil meines Lebens aber… ist nicht das ganze Leben eine einzige Reise?

Der Beginn der Ferienzeit ist allerdings kein guter Zeitpunkt zu reisen… es sei denn, man liebt es, bereits auf der Autobahn mit anderen in näheren Kontakt zu kommen oder ist geübt in Gelassenheit.

Lassen Sie uns das Reisen mal näher betrachten. „Einst beinhaltete die Reise – als Metapher wie auch als Realität – ein hohes Maß an Läuterung und Wandlung. In den meisten Religionen galt das Reisen als rechte Lebensführung, als Instrument der Katharsis, als Mittel zur Erleuchtung.“ (Trojanow)

Ich finde das Reisen ist eine wunderbare Metapher für das Leben an sich. Da gibt es jene, die alle Verantwortung abgeben und „all inclusive“ buchen, solche, die jeden Tag in einer anderen Stadt aus dem Bus steigen… und diejenigen, die ins Unbekannte aufbrechen. Wer sich ins Unbekannte wagt, nimmt nur das Nötigste mit. Denn jedes zuviel ist eine Last. Ein Instrument jedoch ist immer von Nutzen: Der Kompass. Er gibt die große Orientierung im Wirrwarr der Wege.

Reisen bedeutet Veränderung, Herausforderung, Entdeckung. Doch zumeist wird genau das vom Pauschaltourismus verhindert, ja es ist oft die Vermeidung von wahrem Reisen. „Der Sinn des Reisens ist auf den Kopf gestellt: anstatt sich der Fremde auszusetzen, zahlt man Geld, um ihr aus dem Wege zu gehen.“ (Trojanow) Schon vor Antritt der Reise ist alles bis ins kleinste geplant und vorausberechnet, jeder Ort via Google erkundet und seine Geheimnisse gelüftet. Eine gewaltige Industrie garantiert, dass man von all jenen Irritationen, Verwirrungen und Überraschungen verschont wird, weswegen allein es sich lohnt, sein Zuhause – das Vertraute – zu verlassen. So bleibt das Gefühl der „Befremdung“ auf der Strecke. Es entschwindet die existentielle Überraschung.

„Es ist das Unerwartete, das betört.

Es sind die ungeplanten Erlebnisse, die beeindrucken. Sei es ein zufälliger Einblick in eine heimische Familie, die zum Freund wird…oder die Situation, die entsteht, wenn der Bus nicht kommt… oder die Menschen, die man ungeplant kennenlernt… plötzlich ist ein Zauber spürbar, den keine Planung und kein Angebot bereithalten können.

„Die Reise zu sich selbst führt einmal um die Welt.“ (Keyserling)

„Unternimm eine Reise, mein Freund„, sang einst der Sufi-Dichter Rumi, „vom Ich zum Selbst. So eine Reise verwandelt die Welt in eine Goldmine.“ Und sie folgt niemals vorgegebenen Wegen, sondern unserem jeweils eigenen Weg. Es lohnt sich, das Schöne am Reisen zu entdecken oder wiederzuentdecken. Dazu muss man allerdings das Risiko eingehen, eigene Prägungen über den Haufen zu werfen. „Denn wahre Reisen führen nicht von der Heimat in die Fremde und wieder zurück, sondern verwandeln Fremde in Heimat.“

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer und eine gute Reise!

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

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