Finden Sie es nicht auch faszinierend, wenn Österreicher und Österreicherinnen einen neuen Star feiern, der Mann und Frau zugleich ist? Obwohl es ein häufig missverstandenes „heißes Eisen“ ist, wage ich doch, darüber zu schreiben…

Für mich spiegelt Conchita das Thema der Geschlechter ebenso aktuell wie damals Michael Jackson das Rassenthema. Er war ein Gesellschaftsspiegel für „Weiß-“ und „Dunkelhäutig“ in einer Person. Jeder sah etwas anderes in ihm – doch war er für mich eine wichtige Instanz für diesen Konflikt, der sich an ihm, ad personam auflösen konnte.

Conchita Wurst kommt zur rechten Zeit. In der Klasse meiner Tochter arbeiten 18-19jährige ebenso an der Aufgabenstellung. Gezwungenermaßen. Weil es ihnen von einer Zeitung als Aufgabe gestellt wurde. Wie sie sich dabei tun? Schwer. Warum? Weil es für sie keinen Unterschied zwischen Mann und Frau in der Gesellschaft gibt! (Außer biologisch) Sie haben es noch nicht erlebt, wollen es auch nicht erleben und wehren sich dagegen.

Oft höre ich ebenso Hilferufe von der männlichen Seite, wie von der weiblichen. Auch Männer fühlen sich oft unterdrückt, hilflos, aus der Rolle geworfen, orientierungslos und unverstanden. Ein höherer Lohn mag nützlich, aber nicht hilfreich sein. Und im Bestreben, der Gleichheit genüge zu tun, werden „Quotenfrauen“ gebucht.

Wenn wir nun von der neuen Generation sprechen – die „GenerationY“ (Generation WHY) – von der wir bereits wissen, dass sie vieles anders sieht, als unsere Generation, sind manche Themen kein Thema mehr. Richten wir den Blick auf die danach folgenden Generationen, dann haben sie ein Menschenverständnis, das jenseits von weiblich oder männlich, Hautfarbe, Nationalität, Herkunft, Religion etc. ist. Zum Glück.

Alle Dinge haben im Rücken das Weibliche und vor sich das Männliche. Wenn Männliches und Weibliches sich verbinden, erlangen alle Dinge Einklang.
(Laotse)

Conchita zeigt uns, wo wir hindenken sollten. Weg von Unterscheidungen hin zu einem Verständnis von „Weltbürgern“. Die nächsten Generationen müssen voraussichtlich gemeinsam für ihren Planeten agieren. Sie können sich ein „ungleiches Gegeneinander“ nicht mehr leisten.

Ich freue mich sehr über den Erfolg von Conchita, der diese Unterscheidungen ebenso „Wurst“ sind, ich freue mich, dass jung wie alt ihr begeistert zujubeln und alle Vorurteile über Bord werfen. Und sehe es als Zeichen der Zeit, manche Dinge ab jetzt nicht mehr in Frage zu stellen und anstelle Energie hineinzustecken, diese einfach selbstverständlich zu sehen und in diesem Sinne zu agieren. Jeder für sich! Ich werde oft gefragt, wieso ich keine Gendersprache schreibe. Für mich sind wir alle Menschen. Die deutsche Sprache sagt „der Mensch und die Menschheit“ – im Individuum männlich und dynamisch, in der Ganzheit weiblich und weise. So verstehe ich meine Sprache.

Dennoch gibt es glücklicherweise viele Unterschiede zwischen Mann und Frau. Was wäre bloß das Leben ohne sie? Ich plädiere dafür, nicht um jeden Preis „gleich“ sein zu wollen, sondern die Unterschiede zwischen Mann und Frau zu würdigen, zu lieben und weise in der Gesellschaft einzusetzen. Und ein gewisser Charme mag es humorvoller und leichter machen.

Also möchte ich Sie zum Wochenstart auffordern, sich in Ihrem Unernehmen einmal bewusst umzusehen, Männer und Frauen in ihren Besonderheiten zu erkennen und diese wertzuschätzen. Ein Lächeln darf den Montag etwas strahlender machen, eine Anerkennung darf die Zusammenarbeit festigen, ein Flirt darf neuen Schwung geben und eine hilfreiche Geste kann den Tag bestimmen. Wie ist es, wenn Sie mit dieser Einstellung in die Firma kommen?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Start in den Tag!

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: