Institut für Zukunftskompetenzen® Let´s create future together! (Bildquelle: © psdesign1 - Fotolia.com)

Let´s create future together!

Lebenspost: Einsam versus gemeinsam Neue Weichenstellungen im Sommer ... (Bildquelle: Cornelia Scala-Hausmann)

Lebenspost: Einsam versus gemeinsam

So ausführlich wie noch nie: Für Connys neueste Lebenspost brauchen sie etwas Zeit, die sich gewiss lohnen wird.

Gemeinsam versus einsam – gesellschaftlich und ganz persönlich

Ein Sommer ist vorüber ... und wieder waren auch die Monate an Land voll mit Ereignissen.

Krisen – neue Perspektiven – neue Erkenntnisse – neue Weichenstellungen ...

So entstand im Zuge der Neuzertifizierung im Qualitätsmanagements des IFZs eine neue Idee ... eine Idee, die sich aus meinem bestehenden Leben ablesen ließ und mich mit der Nase darauf stieß ...

Freundschaft braucht gewisse Lebensparallelen und eine Gemeinsamkeit der Gedanken.
(Henry Adams)

Dass wir im IFZ eine innovative Arbeitsform leben, war für die Prüferin des QM ein bemerkenswerter USP. Dass wir – Harald Schellander und ich – eine Arbeitsform gefunden haben, die uns beide frei sein lässt, das eigene tun zu können und dennoch sich gegenseitig zu unterstützen – ist etwas Ungewöhnliches, das nicht so oft vorzukommen scheint – vor allem im firmlichen Rahmen.

Mehr als ein halbes Jahr auf einem Boot unterwegs zu sein, während der andere in Österreich lebt und trotzdem verbunden zu bleiben, ist eine Kunst, die wir mittlerweile gut beherrschen.

Für uns ist das die adäquate Arbeitsform zweier Freigeister, die progressiv immer Neues erfinden und damit die Gesellschaft bereichern wollen. Schenkt man der Zukunftsforschung Glauben, so sind wir bereits da angekommen, wo der Trend hingehen soll ;-)

Zwischen Welt und Einsamkeit ist das rechte Leben.
Nicht zu nah und nicht zu weit will ich mich begeben
.
(Friedrich Rückert)

Aber nicht nur die Arbeit ist Teil eines Lebens – obwohl ich schon lange keine Trennung zwischen „Work and Life" mehr mache, sondern „Lebensunternehmertum" lebe – auch die Partnerschaft meiner Beziehung verändert sich stetig und ein Seitenblick in die Trendforschung zeigt ... auch hier ist Freiheit und Selbstbestimmung ein wichtiger Faktor, der jedoch Geborgenheit nicht ausschließen muss.

Liebe ist gemeinsame Freude an der wechselseitigen Unvollkommenheit.
(Ludwig Börne)

Mit einem Partner rund um die Uhr auf einem Segelboot unterwegs zu sein, ist für viele grad einmal zwei Wochen aushaltbar. Harald Klärner und ich haben bereits 17 Monate durchgehalten und die angenehmen wie unangenehmen Seiten hautnah erfahren dürfen. Und man glaubt es kaum ... wir haben noch immer nicht genug davon!

Im Oktober geht es wieder auf Reisen ... diesmal von Guatemala die Küsten Mittelamerikas entlang. Doch diesmal wollen wir die Zeit an Bord hauptsächlich zum Aufarbeiten vergangener Erlebnisse nutzen und uns an eine Schreib- und Vortragsarbeit machen ... also weniger im Außen und mehr im Inneren sein. Die besonderen Herausforderungen an eine Partnerschaft an Bord wird dabei eines der Themen sein ;-)

Gemeinsame geistige Tätigkeit verbindet enger als das Band der Ehe.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

Seit 16 Jahren in einer Beziehung ...
Heirat?
... kein Thema ... wir sind beide schon geschieden ;-)

Was sagt die Gesellschaft dazu?
In Großstädten scheidet sich jede zweite Ehe.
Schlecht?
Nicht unbedingt.

Du und ich ergeben nicht immer wir.
(Walter Ludin)

Psychologen wissen, dass es nicht die Scheidung an sich ist, die die Psyche der Kinder schädigt – sondern die Art und Weise, wie Eltern mit einer Scheidung zurecht kommen. Sobald Erwachsene mit Scheidungen adäquat umgehen können (keine Schuldzuweisungen oktroyieren und sich selbstreflektiert und konstruktiv verhalten) lernen Kinder durch die Trennung der Eltern, sich mit wechselnden Familienformen zu arrangieren und dass ein glückliches Leben auch außerhalb von Zweierbeziehungen möglich ist. Sie erhöhen sozusagen ihre soziale Adaptivität. (zukunftsinstitut.de)

Nichts entfernt zwei innerlich wenig verwandte Menschen mehr voneinander als das Zusammenleben.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

Nun wird aber Individualisierung als Megatrend gemeinhin als Tendenz zu antisozialen Werten wie Egoismus beklagt, weil das „Ich" zu stark im Vordergrund stehe. Und das wird wiederum auch als Erklärung für die hohen Scheidungszahlen genannt. Heute will wohl keiner mehr aus reinen Zweckgründen zusammen bleiben, wie es früher Usus war. Und mit den finanziellen Unabhängigkeiten wachsen auch die Ansprüche an eine Beziehung. Das ist für Romantiker durchaus begrüßenswert, denn die Romantik wächst mit der Distanz und hat sich schnell erledigt, wenn die Kompromissanforderungen zu hoch werden.

Die Beschränkung der freien Entfaltung ist der Preis der Zweisamkeit.
(Erwin Koch)

Auch die zunehmende „Single-Gesellschaft" gilt als negativer Aspekt der Individualisierung. Statistiken scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen. Gab es im Jahr 1986 rund 779.000 Einpersonenhaushalte in Österreich, so waren es 30 Jahre später 1.429.000. Der Anteil der Alleinlebenden an der Bevölkerung in Privathaushalten erhöhte sich im selben Zeitraum von zehn auf 17 Prozent. In Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern lebt jeder Dritte in einem Einpersonenhaushalt. (Statistik Austria 2016)

Was die Statistiken jedoch nicht aussagen können: Leben die Menschen tatsächlich als Singles oder handelt es sich um Paare, die lediglich in zwei Wohnungen wohnen? Zudem bedeutet die Tatsache, dass 17 Prozent in Einpersonenhaushalten leben, auch, dass 83 Prozent in Mehrpersonenhaushalten leben. So gesehen relativiert sich der viel gebrauchte Begriff von der „Single-Gesellschaft" auch schnell wieder.

Der Adler fliegt allein, der Rabe scharenweise. Gesellschaft braucht der Tor und Einsamkeit der Weise.
(Friedrich Rückert)

Aber die Werte?
Verlieren tatsächlich Gemeinschaftswerte zu Lasten von Individualwerten an Bedeutung?

Von der Versicherung Heidelberger Leben wurden junge Menschen zwischen 16 und 35 Jahren in einer Umfrage zu ihren Lebenszielen befragt. Gleich an zweiter Stelle nach dem obersten Ziel, „gesund zu sein" (93%) folgt mit 90 Prozent die Nennung: „Unabhängigkeit, sein Leben selbst gestalten zu können". An dritter Stelle steht mit 89 Prozent „Gute Freunde zu haben". Und für 84 Prozent ist es besonders wichtig und erstrebenswert, „für die Familie da zu sein". Nach wie vor ist es für junge Menschen ein erklärtes Lebensziel, eine Familie zu gründen. Die überwiegende Mehrheit der jungen Frauen und Männer (70 Prozent) geht davon aus, mehr als ein Kind zu haben. So zeigt sich auch in anderen Umfragen, dass die zunehmende Wichtigkeit von individualistischen Werten nicht im Widerspruch zu Gemeinwerten steht... es scheint sogar eher das Gegenteil der Fall zu sein!

Der Wunsch nach Individualität stärkt also den Gemeinsinn?
Das klingt paradox – ist es aber nicht.

Das Konzept des „Integrierten Individualismus" beschreibt: Je individualistischer der Lebensentwurf, desto mehr ist man auf die Unterstützung von Menschen angewiesen, die nicht unmittelbar zum familiären Umfeld gehören, das man „sowieso zur Geburt" bekommt. Viele unserer persönlichen Ziele lassen sich nicht ohne die Unterstützung anderer realisieren. Und vieles, um das sich früher der Staat gekümmert hat, geht stärker in die Verantwortung des Einzelnen über. Auf staatliche Systeme als verlässliche Sicherungsinstanz vertraut nicht einmal mehr jeder Zehnte im Alter zwischen 16 und 35 Jahren! (zukunftsinstitut.de)

Auch der kleinste gemeinsame Nenner hat ein gewisses Entwicklungspotenzial.
(Ernst Ferstl)

Insofern werden auch in einer individualisierten Welt gewisse Bindungsmuster gelebt. Das schlägt sich auch firmenbücherlich nieder. Der enorme Anstieg der Genossenschaften ist ein stichhaltiger Beleg dafür, wie eine hochindividualisierte Gesellschaft neue Unterstützungs- und Gemeinschaftsformen herausbildet, in denen sich Menschen ihren individuellen Lebensentwurf zu bezahlbaren Preisen realisieren. Das bezieht sich auch und vor allem auf Wohnräume als drittwichtiger Teil eines selbstbestimmten Lebens.

Der eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, und der andre, weil er sich verlieren möchte.
(Friedrich Nietzsche)

Als Individualistin habe ich auch hier immer auf Eigenraum gesetzt. In Zeiten der Patchworkfamilien ist es wichtig, hier klare Grenzen zu ziehen, die es dann umso freudvoller zu überschreiten gilt ;-). Ganz im Trend des neuen Wohnens entsteht gerade ein Wohnprojekt in Pörtschach, das sich voll und ganz auf die zeitgemäßen Bedürfnisse einstellt: Das „Projekt ARTEMIS – Öko-Tinyhouse-Wohnprojekt in Pörtschach am Wörthersee".

So wurde mir bewusst, dass alle Lebensbereiche parallel in ein Spannungsfeld zwischen Gemeinsamkeit und Einsamkeit zusammenlaufen und wie wichtig beides gleichermaßen ist.
Individualität wurde im Laufe der menschlichen Entwicklung immer wichtiger. Offenbar liegt es im existenziellen Wesen des Menschen, nach Autonomie und Freiheit zu streben. Die Geschichte des Menschen ist daher auch eine Geschichte, von außen auferlegte Grenzen und Fesseln zu sprengen, um (glücklicher) in Freiheit und Selbstverantwortung leben zu können.

Ganz er selbst sein darf jeder nur, solange er allein ist. Wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit; denn nur, wann man allein ist, ist man frei.
(Arthur Schopenhauer)

Und so entstand die Idee, im Rahmen des IFZ sich diesem Thema der „Neuen individuellen Gemeinsamkeit in Arbeit, partnerschaftlicher Beziehung und Wohnraum" verstärkt zu widmen.

Die Einsamkeit macht uns härter gegen uns und sehnsüchtiger gegen die Menschen: In beiden verbessert sie den Charakter.
(Friedrich Nietzsche)

Schließlich gäbe es noch die politische Dimension, in der das „Wir" seine Stärken und in unreflektierter Form auch seine negativen Aspekte hat, die Ursula Baatz in ihrem Essay „Die Schatten des Wir" wunderbar darstellt. Nach Erläuterung diverser psychologischer Versuche und politischer Kampagnen kommt sie zu dem Schluss: Die politische Macht des »Wir« ist unbestreitbar, aber gerade deswegen ist sie hochgradig problematisch. Denn der Klebstoff, der das »Wir« zusammenschweißt, ist weitgehend reflexionsresistent und das macht das »Wir« zu einer gefährlichen Macht. Denn das »Wir« mag von sich aus weder Vielfalt noch Diversität, ebenso wenig Reflexion und den Bezug auf Fakten. Nur wenn sich Gegenstimmen mit Nachdruck erheben, so zeigte das Experiment von Asch, löst sich der Konformitätskleber und es kann Beziehung und Kommunikation geben. Das zu bewirken und zu verstetigen ist die Aufgabe demokratischer Politik.

...und das ist Thema täglicher Nachrichten.

Hoffnung beginnt mit einem »Du«. Wenn es ein »Wir« gibt, beginnt eine Revolution.
(Papst Franziskus)

Somit freu ich mich auf möglichst viele Begegnungen mit möglichst verschiedenen Individuen und gehe meinen Weg des kreativen Individualismus’ weiter... in beruflicher, partnerschaftlicher und wohnlicher Hinsicht ;-)

...und als Individuum einer Gesellschaft auch in politischer Hinsicht.

Gemeinsamkeiten sucht man nicht, Gemeinsamkeiten schafft man sich.
(Manfred Hinrich)

Kein Mensch ist eine Insel.
... aber wir brauchen alle hin und wieder eine.

Ihre
Cornelia Scala-Hausmann

NEWS:
Das „Projekt ARTEMIS – Öko-Tinyhouse-Wohnprojekt in Pörtschach am Wörthersee"

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