Wann ist wohl der beste Zeitpunkt?

Für einen Wechsel?

Immer und niemals.

Vor wenigen Tagen haben wir wieder auf unser schwimmendes Zuhause gewechselt.

Schonwieder? …nun diese Frage stellt sich mir nicht… vielmehr sehe ich es als eine Lebensform, eine flexible Lebensart, die für Abwechslung sorgt. Für manche vielleicht zu ruhelos, für mich ein wandelbarer Lebensabschnitt.

 

Das Leben gehört dem Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.

(Johann Wolfgang von Goethe)

 

Der Wechsel – die Veränderung – der Wandel hält uns in Bewegung und damit beweglich und lebendig. Und ein Wechsel im Rhythmus der Jahreszeiten von Land zu Wasser, von Kontinent zu Kontinent sorgt immer wieder für Neuanpassungen.

 

Es ist nicht die stärkste Spezie die überlebt, auch nicht die intelligenteste, es ist diejenige, die sich am ehesten dem Wandel anpassen kann.

(Charles Darwin)

 

Es hat seinen Reiz, immer im Wechsel der Gegebenheiten zu leben, wenn sie frei gewählt sind. Es fühlt sich an, als wäre man immer am Weg. Oft ist der Weg ein äußerer Umstand, der vorhersehbar ist. Doch warum nicht selbst einen Weg schaffen, wo bisher keiner war… den keiner geht, keiner sieht und keiner kennt. Und diese Wege sind für mich die interessantesten 😉

 

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

(Franz Kafka)

 

Entweder wir finden einen Weg, oder wir machen einen.

(Hannibal)

 

Aber wir alle gehen diese Wege… auch Sie gehen Ihren Weg durch viele Wechsel hindurch.

Neue Wege verändern uns und so manches passt dann nicht mehr zu uns. Wir wechseln Arbeit, Wohnort oder Freunde… Sie meinen, das geschieht nur in Krisen? …es geschieht häufiger als wir glauben, wie wir aus diversen Studien erkennen.

 

So bleiben (sogar die bequemen) Österreicher selten länger als zwei Jahre in demselben Job. Statistik Austria zeigt uns, dass die große Mehrheit der berufstätigen Menschen binnen zwei Jahren entweder gekündigt oder freiwillig ihren Arbeitgeber wechseln. Nur 22 Prozent (!) waren nach zwei Jahren noch im selben Unternehmen. (2010-2012, instabile Jobs, wie Bau, Gastronomie, Ferial, Saison etc. wurden bereits ausgenommen)

Das betrifft nicht nur junge Leute! Auch 55 – 60-jährige hatten nur in 18 % der Fälle zwei Jahre später noch dieselbe Arbeit (sat, 15.12.2016, siehe Bild APA)

Es sind nicht die äußeren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äußern.

(Wilma Thomalla)

 

Wechsel ist ein fixer Bestandteil unseres Lebens. Partnerwechsel ist ebenso normal geworden wie ein Jobwechsel. Und wenn bei ersterem Kinder betroffen sind, kommt heute immer öfter das „Wechselmodell“ zum Tragen. Ein Modell, in dem Kinder nach einer Trennung ihrer Eltern gleich viel Zeit bei Mutter und Vater verbringen, was immer beliebter wird, sofern Eltern reif genug sind, konstruktiv und eigenverantwortlich zu kommunizieren (derzeit ca. 20%). Stefan Rücker vom deutschen Familienministerium sieht hier viele Chancen, Kindern einen guten Umgang mit wechselnden Lebensumständen beizubringen. (Die Zeit online, 19. Juni 2017)

 

Nur die Dümmsten und die Weisesten können sich nicht ändern.

(Konfuzius)

…wobei bei den Weisesten das Wort „können“ durch „brauchen“ ersetzbar wäre.

Alle anderen haben ein Leben lang damit zu tun… in jedem Bereich des Lebens. In unserer Sprache gibt es 897 Wörter, die „wechsel“ beinhalten… Wechselwirkung – Wechseljahre – Wechselkurs – Wechselkennzeichen – Spurwechsel – „Wechselhirn“? … ah… ein wirrer Kopf! (noch nie gehört…)

Im Prinzip lässt sich fast alles in der deutschen Sprache wechseln… Wild ebenso wie Tempo… Partner wie Reifen… Rollen wie Tapeten… Führung wie Personal… Seiten wie Parteien… Geld wie Stoff und Paradigmen wie Klima. Da kann schon mancher Wechselbeschwerden bekommen 😉

Wandel und Wechsel liebt, wer lebt.

(Richard Wagner)

 

Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.

(Charles Darwin)

Na und das bewirkt ja letztendlich auch unseren Fortschritt! So wir ihn nicht zu meiden versuchen. Wir sollten uns freuen, wenn unser Weltbild ins Wanken gerät, denn jede Veränderung bringt uns weiter – auch wenn wir es oft nicht glauben wollen oder meinen, das alte hat sich bewährt und sollte so bleiben, denn zu viel Veränderung könnte uns ja vielleicht ins Chaos stürzen.

 

Die Kunst des Fortschritts besteht darin, inmitten des Wechsels Ordnung zu wahren, inmitten der Ordnung den Wechsel aufrechtzuerhalten.

(Alfred North Whitehead)

 

Das ist einer meiner Lebensgrundsätze, egal was geschieht, ich schaffe darin eine gewisse Ordnung, die mir Handlungsspielraum gibt – und verändere andererseits stetig, was statisch zu werden droht. Ja, und wenn ich meine, es sei ein Fehler gewesen, dann kann ich meine Meinung auch wieder ändern. Zum Glück haben wir diese Wahl.

 

Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.

(Friedrich Hebbel)

 

Letztlich ist es nur unsere Angst vor Misserfolg, der uns an einem Wandel hindert. Dabei schaffen manche eine regelrechte „Wechselblockade“. Und das größte Hindernis war Platon schon bekannt…

 

Ich kenne keinen sicheren Weg zum Erfolg, aber einen sicheren Weg zum Misserfolg: es allen Recht machen zu wollen.

(Platon)

Im Moment freu ich mich über den Wechsel, in dem ich mich gerade befinde. Trotz wechselhaftem Wetter und Politik über den Ozean nach Guatemala auf unser Schiff, das bisher von allen Wirbelstürmen verschont blieb…. weg von festem Boden unter den Füßen – hin zu schwankenden Brettern.

  

In einem wankenden Schiff fällt um, wer stillsteht und sich nicht bewegt.

(Ludwig Börne)

 

Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren.

(André Gide)

Was uns hier wieder begegnen wird, lasse ich Sie im nächsten Newsletter wissen…und bis dahin wünsche ich Ihnen ein wechselhaftes, abwechslungsreiches, wandelbares Leben!

 

 

Ihre Cornelia Scala-Hausmann

Ein Sommer ist vorüber… und wieder waren auch die Monate an Land voll mit Ereignissen.

Krisen – neue Perspektiven – neue Erkenntnisse – neue Weichenstellungen …

 

So entstand im Zuge der Neuzertifizierung im Qualitätsmanagements des IFZs eine neue Idee… eine Idee, die sich aus meinem bestehenden Leben ablesen ließ und mich mit der Nase darauf stieß…

 

Freundschaft braucht gewisse Lebensparallelen und eine Gemeinsamkeit der Gedanken.

(Henry Adams)

 

Dass wir im IFZ eine innovative Arbeitsform leben, war für die Prüferin des QM ein bemerkenswerter USP. Dass wir – Harald Schellander und ich – eine Arbeitsform gefunden haben, die uns beide frei sein lässt, das eigene tun zu können und dennoch sich gegenseitig zu unterstützen – ist etwas ungewöhnliches, das nicht so oft vorzukommen scheint – vor allem in firmlichen Rahmen.

Mehr als ein halbes Jahr auf einem Boot unterwegs zu sein während der andere in Österreich bleibt und trotzdem verbunden zu bleiben, ist eine Kunst, die wir mittlerweile gut beherrschen.

Für uns ist das die adäquate Arbeitsform zweier Freigeister, die progressiv immer Neues erfinden und damit die Gesellschaft bereichern wollen. Schenkt man der Zukunftsforschung Glauben, so sind wir bereits da angekommen, wo der Trend hingehen soll 😉

 

Zwischen Welt und Einsamkeit ist das rechte Leben.

Nicht zu nah und nicht zu weit will ich mich begeben.

(Friedrich Rückert)

 

Aber nicht nur die Arbeit ist Teil eines Lebens – obwohl ich schon lange keine Trennung zwischen „Work and Life“ mehr mache, sondern „Lebensunternehmertum“ lebe – auch die Partnerschaft meiner Beziehung verändert sich stetig und ein Seitenblick in die Trendforschung zeigt… auch hier ist Freiheit und Selbstbestimmung ein wichtiger Faktor, der jedoch Geborgenheit nicht ausschließen muss.

 

Liebe ist gemeinsame Freude an der wechselseitigen Unvollkommenheit.

(Ludwig Börne)

 

Mit einem Partner rund um die Uhr auf einem Segelboot unterwegs zu sein, ist für viele grad einmal zwei Wochen aushaltbar. Harald Klärner und ich haben bereits 17 Monate durchgehalten und die angenehmen wie unangenehmen Seiten hautnah erfahren dürfen. Und man glaubt es kaum… wir haben noch immer nicht genug davon!

Im Oktober geht es wieder auf Reisen… diesmal von Guatemala die Küsten Mittelamerikas entlang. Doch diesmal wollen wir die Zeit an Bord hauptsächlich zum Aufarbeiten vergangener Erlebnisse nutzen und uns an eine Schreib- und Vortragsarbeit machen… also weniger im Außen und mehr im Inneren sein. Die besonderen Herausforderungen an eine Partnerschaft an Bord werden dabei eines der Themen sein 😉

 

Gemeinsame geistige Tätigkeit verbindet enger als das Band der Ehe.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

 

Seit 16 Jahren in einer Beziehung…

Heirat?

…kein Thema …wir sind beide schon geschieden 😉

 

Was sagt die Gesellschaft dazu?

In Großstätten scheidet sich jede zweite Ehe.

Schlecht?

Nicht unbedingt.

 

Du und ich ergeben nicht immer wir.

(Walter Ludin) 

 

Psychologen wissen, dass es nicht die Scheidung an sich ist, die die Psyche der Kinder schädigt – sondern die Art und Weise, wie Eltern mit einer Scheidung zurecht kommen. Sobald Erwachsene mit Scheidungen adäquat umgehen können (keine Schuldzuweisungen aufoktroyieren und sich selbstreflektiert und konstruktiv verhalten) lernen Kinder durch die Trennung der Eltern, sich mit wechselnden Familienformen zu arrangieren und dass ein glückliches Leben auch außerhalb von Zweierbeziehungen möglich ist. Sie erhöhen sozusagen ihre soziale Adaptivität. (zukunftsinstitut.de)

 

Nichts entfernt zwei innerlich wenig verwandte Menschen mehr voneinander als das Zusammenleben. (Marie von Ebner-Eschenbach)

 

Nun wird aber Individualisierung als Megatrend gemeinhin als Tendenz zu antisozialen Werten wie Egoismus beklagt, weil das „Ich“ zu stark im Vordergrund stehe. Und das wird wiederum auch als Erklärung für die hohen Scheidungszahlen genannt. Heute will wohl keiner mehr aus reinen Zweckgründen zusammen bleiben, wie es früher Usus war. Und mit den finanziellen Unabhängigkeiten wachsen auch die Ansprüche an eine Beziehung. Das ist für Romantiker durchaus begrüßenswert, denn die Romantik wächst mit der Distanz und hat sich schnell erledigt, wenn die Kompromissanforderungen zu hoch werden.

 

Die Beschränkung der freien Entfaltung ist der Preis der Zweisamkeit.

(Erwin Koch)

 

Auch die zunehmende „Single-Gesellschaft“ gilt als negativer Aspekt der Individualisierung. Statistiken scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen. Gab es im Jahr 1986 rund 779.000 Einpersonenhaushalte in Österreich, so waren es 30 Jahre später 1.429.000. Der Anteil der Alleinlebenden an der Bevölkerung in Privathaushalten erhöhte sich im selben Zeitraum von zehn auf 17 Prozent. In Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern lebt jeder Dritte in einem Einpersonenhaushalt. (Statistik Austria 2016)

Was die Statistiken jedoch nicht aussagen können: Leben die Menschen tatsächlich als Singles oder handelt es sich um Paare, die lediglich in zwei Wohnungen wohnen? Zudem bedeutet die Tatsache, dass 17 Prozent in Einpersonenhaushalten leben, auch, dass 83 Prozent in Mehrpersonenhaushalten leben. So gesehen relativiert sich der viel gebrauchte Begriff von der „Single-Gesellschaft“ auch schnell wieder.

Der Adler fliegt allein, der Rabe scharenweise. Gesellschaft braucht der Tor und Einsamkeit der Weise. (Friedrich Rückert)

 

Aber die Werte?

Verlieren tatsächlich Gemeinschaftswerte zu Lasten von Individualwerten an Bedeutung?

Von der Versicherung Heidelberger Leben wurden junge Menschen zwischen 16 und 35 Jahren in einer Umfrage zu ihren Lebenszielen befragt. Gleich an zweiter Stelle nach dem obersten Ziel, „gesund zu sein“ (93%) folgt mit 90 Prozent die Nennung: „Unabhängigkeit, sein Leben selbst gestalten zu können“. An dritter Stelle steht mit 89 Prozent „Gute Freunde zu haben“. Und für 84 Prozent ist es besonders wichtig und erstrebenswert, „für die Familie da zu sein“. Nach wie vor ist es für junge Menschen ein erklärtes Lebensziel, eine Familie zu gründen. Die überwiegende Mehrheit der jungen Frauen und Männer (70 Prozent) geht davon aus, mehr als ein Kind zu haben. So zeigt sich auch in anderen Umfragen, dass die zunehmende Wichtigkeit von individualistischen Werten nicht im Widerspruch zu Gemeinwerten steht… es scheint sogar eher das Gegenteil der Fall zu sein!

 

Der Wunsch nach Individualität stärkt also den Gemeinsinn?
Das klingt paradox – ist es aber nicht.

Das Konzept des „Integrierten Individualismus“ beschreibt: Je individualistischer der Lebensentwurf, desto mehr ist man auf die Unterstützung von Menschen angewiesen, die nicht unmittelbar zum familiären Umfeld gehören, das man „sowieso zur Geburt“ bekommt. Vieles unserer persönlichen Ziele lassen sich nicht ohne die Unterstützung anderer realisieren. Und vieles, um das sich früher der Staat gekümmert hat, geht stärker in die Verantwortung des Einzelnen über. Auf staatliche Systeme als verlässliche Sicherungsinstanz vertraut nicht einmal mehr jeder Zehnte im Alter zwischen 16 und 35 Jahren! (zukunftsinstitut.de)

Auch der kleinste gemeinsame Nenner hat ein gewisses Entwicklungspotenzial.
(Ernst Ferstl)

 

Insofern werden auch in einer individualisierten Welt gewisse Bindungsmuster gelebt. Das schlägt sich auch firmenbücherlich nieder. Der enorme Anstieg der Genossenschaften ist ein stichhaltiger Beleg dafür, wie eine hochindividualisierte Gesellschaft neue Unterstützungs- und Gemeinschaftsformen herausbildet, in denen sich Menschen ihren individuellen Lebensentwurf zu bezahlbaren Preisen realisieren. Das bezieht sich auch und vor allem auf Wohnräume als drittwichtiger Teil eines selbstbestimmten Lebens.

Der eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, und der andre, weil er sich verlieren möchte.

(Friedrich Nietzsche)

 

Als Individualistin habe ich auch hier immer auf Eigenraum gesetzt. In Zeiten der Patchworkfamilien ist es wichtig, hier klare Grenzen zu ziehen, die es dann umso freudvoller zu überschreiten gilt ;-). Ganz im Trend des neuen Wohnens entsteht gerade ein Wohnprojekt in Pörtschach, das sich voll und ganz auf die zeitgemäßen Bedürfnisse einstellt: Das „Projekt ARTEMIS – Öko-Tinyhouse-Wohnprojekt in Pörtschach am Wörthersee“ (ß name mit link unterlegen: http://www.lascala.cc/projekt-artemis_57,0,0,0,0,de_s_1_-/)

So wurde mir bewusst, dass alle Lebensbereiche parallel in ein Spannungsfeld zwischen Gemeinsamkeit und Einsamkeit zusammenlaufen und wie wichtig beides gleichermaßen ist.

Individualität wurde im Laufe der menschlichen Entwicklung immer wichtiger. Offenbar liegt es im existenziellen Wesen des Menschen, nach Autonomie und Freiheit zu streben. Die Geschichte des Menschen ist daher auch eine Geschichte, von außen auferlegte Grenzen und Fesseln zu sprengen, um (glücklicher) in Freiheit und Selbstverantwortung leben zu können.

Ganz er selbst sein darf jeder nur, solange er allein ist. Wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit; denn nur, wann man allein ist, ist man frei.

(Arthur Schopenhauer)

 

Und so entstand die Idee, im Rahmen des IFZ sich diesem Thema der „Neuen individuellen Gemeinsamkeit in Arbeit, partnerschaftlicher Beziehung und Wohnraum verstärkt zu widmen.

 

Die Einsamkeit macht uns härter gegen uns und sehnsüchtiger gegen die Menschen: In beiden verbessert sie den Charakter.

(Friedrich Nietzsche)

 

Schließlich gäbe es noch die politische Dimension, in der das „Wir“ seine Stärken und

in unreflektierter Form auch seine negativen Aspekte hat, die Ursula Baatz in ihrem Essai „Die Schatten des Wir“ wunderbar darstellt. Nach Erläuterung diverser psychologischer Versuche und politischer Kampagnen kommt sie zu dem Schluss: Die politische Macht des »Wir« ist unbestreitbar, aber gerade deswegen ist sie hochgradig problematisch. Denn der Klebstoff, der das »Wir« zusammenschweißt, ist weitgehend reflexionsresistent und das macht das »Wir« zu einer gefährlichen Macht. Denn das »Wir« mag von sich aus weder Vielfalt noch Diversität, ebenso wenig Reflexion und den Bezug auf Fakten. Nur wenn sich Gegenstimmen mit Nachdruck erheben, so zeigte das Experiment von Asch, löst sich der Konformitätskleber und es kann Beziehung und Kommunikation geben. Das zu bewirken und zu verstetigen ist die Aufgabe demokratischer Politik.

…und das ist Thema täglicher Nachrichten.

Hoffnung beginnt mit einem »Du«. Wenn es ein »Wir« gibt, beginnt eine Revolution.(Papst Franziskus)

 

Somit freu ich mich auf möglichst viele Begegnungen mit möglichst verschiedenen Individuen und gehe meinen Weg des kreativen Individualismus’ weiter… in beruflicher, partnerschaftlicher und wohnlicher Hinsicht 😉

 

…und als Individuum einer Gesellschaft auch in politischer Hinsicht.

 

Gemeinsamkeiten sucht man nicht, Gemeinsamkeiten schafft man sich. (Manfred Hinrich)

 

Kein Mensch ist eine Insel.
…aber wir brauchen alle hin und wieder eine.

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

 

 

„Die wahre menschliche Weisheit ist es, sich des Nichtwissens bewusst zu sein…“

 

Sokrates ist auch heute noch dafür bekannt, dass er sein Wissen immer hinterfragt und darauf hingewiesen hat, dass Wissen oft ein beweisloses Für-selbstverständlich-halten sei. Gesichertes Wissen finde man, seiner Meinung nach, bei Menschen generell nicht…

Je mehr man schon weiß, desto mehr hat man noch zu lernen. Mit dem Wissen nimmt das Nichtwissen im gleichen Grade zu oder vielmehr das Wissen des Nichtwissens. (Friedrich Schlegel)

Meine letzte Lebenspost brachte mich noch auf einen anderen Gedanken, der in unsere heutige Zeit passt: Wer es nicht besser weiß, kann es nicht besser machen. Wer es besser weiß, könnte manches besser machen. Doch heute wissen wir schon so einiges, machen es aber nicht! …Weil wir nicht daran glauben.

Es gilt nicht mehr der Satz: Denn sie wissen nicht, was sie tun. Heute muss es heißen: Sie tun nicht, was sie wissen. (Robert Jungk)

Ich finde es faszinierend, dass wir von unseren heutigen Wissenschaftlern viele Informationen erhalten, aber dennoch so leben, als gäbe es dieses Wissen nicht. Nicht selten finde ich in Gesprächen immer wieder die Aussagen „Ja, das ist zwar wissenschaftlich bewiesen, aber wer kann denn das schon umsetzen!“ Wir wollen nicht wahrhaben, dass uns gewisse Erkenntnisse eigentlich dazu zwingen würden, unser Weltbild und damit unseren Lebensstil zu verändern. Also verdrängen wir es. Wir glauben es einfach nicht, weil es nicht in unser Weltbild passt.

Dumm ist nicht, wer nichts weiß, sondern wer glaubt, er würde schon genug wissen. (Thomas Möginger)

Wonach handelt aber ein Mensch? Er handelt nach seinen Glaubenssätzen. Auch wenn er es besser wüsste… weil er die Dinge und die daraus folgenden Konsequenzen nicht zu Ende denkt. Also sind wir so klug wie nie zuvor und doch zu dumm, es umzusetzen?

Unser Wissen ist das Resultat unserer Erfahrungen. Unsere Erfahrungen sind das Resultat unserer Dummheit. (Sasha Guitry)

Hier ein paar Beispiele, die doch unser Handeln im Alltag bestimmen:

  • Wir wissen, dass Materie nicht fest ist, sondern eigentlich aus kleinen, schwingenden Teilchen besteht, die noch dazu mental beeinflusst werden. Aber glauben wir daran?
  • Wir wissen, dass wir mit unserer Art der globalen Weltpolitik und Weltwirtschaft den Ast absägen, auf dem wir sitzen… aber glauben wir daran?
  • Wir wissen, dass wir bei wiederholten Genuss von Suchtmitteln und synthetischen Nahrungsmitteln (denn Lebensmittel kann man diese Stoffe nicht nennen) unsere Gesundheit ruinieren… aber glauben wir daran?
  • Wir wissen, dass wir bei Unterlassung bestimmter Handlungen bald eine Rechnung zu begleichen haben, deren Summe unsere Möglichkeiten bei weitem übersteigt…
  • Wir wissen, dass wir unsere Erde, und damit uns selbst, zugrunde richten… …aber glauben wir daran?

Wir wissen so vieles und wenn uns jemand darauf aufmerksam macht… lächeln wir verlegen und meinen „Jaaa, ich weiß… aber das darf man nicht so eng sehen…“ oder: „Was soll ich als einzelner denn dagegen schon machen…!“

Die Wissenden reden nicht viel. Die Redenden wissen nicht viel. (Aus China)
Die Weisen handeln (im besten Glauben und Wissen um ihr Nichtwissen).

Der Mensch ist schon ein seltsames Wesen. Irgendwie hat sich die Aussage von Sokrates umgekehrt in unserer Zeit. Wir wissen mehr als wir glauben… glauben aber nicht, was wir wissen!

Die Zeit wird kommen, wo unsere Nachkommen sich wundern, dass wir so offenbare Dinge nicht gewusst haben. (Seneca)

Je mehr ich auf dieser Welt sehe und erfahre, desto mehr weiß ich. Und muss immer mehr glauben… glauben an die Lösungen unserer Probleme auf dieser Welt – oder mit Platon’s Worten: an das Gute, Schöne und Wahre.

Und danach handle ich. Und damit verändere ich diese Welt. Im Kleinen. Und damit im Großen… immer wieder. Denn an manches glaube ich nicht mehr… dass wir mit alten Lösungen neue Probleme lösen können… dass wir mit unseren bisherigen Denkmustern weiter kommen… und dass wir noch lange so tun können, als ginge uns der Rest der Welt nichts an.

Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf – es kommt nur auf die Entfernung an. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Die Intellektuellen unter uns machen es ganz gewieft. Sie widerlegen das, was sie nicht wissen wollen, glauben an das, was sie wissen wollen und stellen letzteres zugleich als bewiesen hin.

Wissen schafft auch die Erkenntnis, dass letztlich alle Wissenschaft auf Glaubenssätzen fußt. (Thom Renzie)

Mit diesen Überlegungen finde ich den Ausspruch von Sokrates keinesfalls paradox. Sondern äußerst logisch. Ich weiß, dass ich nicht weiß… dass ich glaube, zu wissen… dass ich nicht immer glaube, was ich weiß.

Um sein Nichtwissen zu wissen ist das Höchste. Um sein Wissen nicht zu wissen, ist krankhaft. (Laotse)

 

Was glauben Sie nicht, obwohl Sie es wissen?

Der Kluge weiß von seiner Dummheit, der Dumme nicht. (Julian Nasiri)

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

Ich verstehe nur zu gut, wenn Ihnen nicht mehr zum lachen ist… auch in Belize und Guatemala bekommen wir einigermaßen die wichtigsten Eckdaten der Weltgeschichte mit. Belize ist eines meiner Lieblingsdestinationen geworden… archäologische Tempelstätten ober und wunderschöne Landschaften unter Wasser. Hier begegnete ich meinem ersten Hai, meinem ersten Adlerrochen… beide majestätisch dahingleitend… als ob Ihnen nichts etwas anhaben könnte.

Ob die noch was zu lachen haben? Ich weiß, Tiere lachen nicht… aber sinnbildlich darf ich diese Formulierung nutzen. Der größte Teil der Küste von Belize ist durch ein großes Barrier Reef geschützt… nach dem australischen das zweitgrößte der Welt. Innerhalb gibt es kaum noch Fische. Wenige Fischer oder Segler halten sich an die Schutzzeiten der diversen Arten. Jeder sieht nur seinen eigenen, kleinen Raub an der Natur und meint, es fiele nicht ins Gewicht.

An der Außenseite des Riffs geht es hunderte Meter in die Tiefe… hier kann man noch Walhaie beobachten, die zu Vollmond an die Wasseroberfläche kommen. Das Riff schützt das Land vor Welle und Sturmflut, nur an wenigen Durchgängen strömt das Karibische Meer hinein… an so einem Durchgang waren wir tauchen und hier begegnete ich dem Lächeln der zivilisierten Welt…

…ich traute meinen Augen kaum… wir waren an dem Ort, wo es das klarste Wasser geben soll… ich konnte deutlich die herrlichen Fächer-, Baum- und Hirnkorallen betrachten, die Rifffische, die hier noch leben, die Quallen, die leider mehr werden… und… ein Smiley, das mir in blau entgegen lächelt!!!

„Muchos Gracias“ steht darüber… und es schwimmt ca. einem Meter unter der Wasseroberfläche, umgeben von diversen Plastikteilen, zerfetzt von Schiffsschrauben… sie streifen an meinen Haaren und Gesicht, wenn ich durchschwimme.

Worüber die jetzige Welt lächelt, lächelt deswegen die Nachwelt noch nicht… (Georg Christoph Lichtenberg, Physiker)

Vom Boot aus sieht man das alles nicht. Aus der Perspektive sieht das Wasser glasklar aus. Nur von unten erkennt man, was knapp unter der Oberfläche verborgen ist. Auch das auflandige Ufer der kleinen Insel, auf der ein Seeadler sein Nest hat, ist voll von Plastikmüll, den es immer wieder anschwemmt… der wahre Eroberer des Paradieses.

Es ist leichter zu lächeln, als zu erklären warum man weint. (Unbekannt)

 

Vor kurzem bin ich wieder einmal über das Venusprojekt (Name mit link hinterlegen https://www.thevenusproject.com) von Jaques Fresco (Name mit link hinterlegen https://de.wikipedia.org/wiki/Jacque_Fresco) gestolpert. Dieser hochgradige Forscher und Entwickler aus der USA forciert eine Ressourcen- statt Geldwirtschaft, zeigt Modelle auf, wie es ohne Geld gehen könnte… doch die Menschen sind nicht bereit dazu. Steht es doch im krassen Gegensatz zu allem bisher Gelernten und damit jenseits der Vorstellungskraft von Vielen.

„In unserer Zukunft müssen wir einen Weg beschreiten, der unserer Umwelt, sowie alles existierende Leben auf der Erde schützt. Der wichtigste und zentralste Aspekt des Venus Projects ist der Übergang aus einem monetären System (Finanz- und Geldsystem) in eine auf Ressourcen basierende Wirtschaftsoptimierung unter maximaler Anwendung von bei Güterproduktion angewendeter Automation, sowie derer computergestützten Entscheidungsfindung.

Wir fordern eine komplette Neugestaltung unserer Kultur, in der uralte Unzulänglichkeiten wie Kriege, Armut, Hunger, Schulden und unnötiges menschliches Leid nicht nur als vermeidbar, sondern als völlig inakzeptabel angesehen werden“ (Jacque Fresco)

Was wäre die Welt ohne Geld?…ohne Gier?

…sie wäre nicht diese Welt.

Und wir?

Wir wissen, was auf uns zukommt. Aber glauben wir daran? …

…wir lächeln.

Und manches Lächeln lächelt da zumeist, wo des Gewissens Qual die Brust zerreißt. (Lord George Gordon Noel Byron)

 

In diesem Moment kommt mir der berühmte Satz von Sokrates in den Sinn… „Je mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, dass ich nicht weiß“, der auch im Sinne von „Je mehr ich weiß, desto mehr muss ich glauben“ verstanden werden kann. Und plötzlich bekommt er für mich eine völlig neue Dimension… für Sie auch?

…doch davon mehr im nächsten Newsletter…

 

Muchos gracias,

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

 

Ich sitze gerade an Deck unseres Catamarans und blicke um mich. Wir sind mitten im Nirgendwo der kubanischen Cayos, den südlich vorgelagerten Riffinseln. Sie sind kaum bewohnt, an zwei bis drei Plätzen gibt es Touristenstrände… aber sonst ist hier niemand außer Reiher, Krokodile, Mangroven und türkisgrünes Wasser.

Eine karge Landschaft. Wenig Abwechslung. Und doch speziell.

In der Ruhelosigkeit unserer Gesellschaft ist eine solche Ruhe wohltuend, sofern man es schafft, sie auszuhalten. Oft sehnen wir uns danach, aber sobald es ruhig ist, flüchten wir wieder in Unruhe, beschäftigen uns, tun und denken vieles parallel.

Körperlich sind wir hier schon etwas weiter. Wir werden achtsamer, was wir unserem Körper zumuten und was nicht… machen Fastenkuren und halten uns fit. Ein dicker Bauch mutiert vom Symbol für Reichtum und Lebenslust zum Makel für Dummheit und Armut. Die Erfolgreichen und Intelligenten unserer Zeit sind schön und fit, sie lassen sich nicht mehr gehen, sie haben sich im Griff…

…im Gehirn allerdings ist von Fasten und Fitness keine Rede. Da darf alles hineinströmen, das wird weiterhin ungefiltert mit allem gefüttert und vollgestopft.

 

„Wir leben in einem System des ständigen Getriebenseins, gehen mit unserem Körper besser um als mit Geist und Seele… aber im Gehirn frönen wir einer ungezügelten Völlerei… stopfen es mit unwichtigen Informationen voll und geben ihm kaum die Möglichkeit zu verdauen… das Problem ist unser ständig auf Zerstreuung und Beschleunigung programmiertes Betriebssystem…“

(Ulrich Schnabel / Muße – vom Glück des Nichtstuns)

 

Schlimm, wenn wir sowohl in Magen als auch Gehirn übervoll sind. Und das täglich. Klatsch, Zeitungen, Fernsehen, Filme, Bücher, Arbeit und vieles mehr, was wir gar nicht bemerken. Kein Wunder, dass wir übergehen… manchmal sogar überkochen.

Da wäre es doch hilfreich, sich reizarme Räume zu schaffen, wie in der östlichen Philosophie ZEN, nicht nur körperliche, sondern auch geistige Diät zu halten, unsere Möglichkeiten zu reduzieren und Ballast abzuwerfen.

…hier ist so ein Ort, wo das möglich ist… hier in den Cayos von Cuba. Wo nichts zu sehen ist, wo nichts zu finden ist, außer Reiher, Krokodile, Mangroven und türkisgrünes Wasser…

 

mit diät-geistigen Grüßen

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

Waren Sie schon mal auf Survival-Training? Oder vielleicht in einem Kloster schweigen? Oder nur eine Zeit lang auf einem Segelboot?

Nein? Dann haben Sie etwas versäumt. Und wenn ja, dann wissen Sie, wovon ich spreche.

Wie heißt es so schön bei all den Seminaren und Fortbildungen? „Ausprobieren im geschützten Rahmen…“ weil – es kann ja nix passieren im Seminar… es bleibt ja alles unter „uns“. Zumeist werden die Teilnehmer/innen auch ganz einsichtig im geschlossenen Kreise und zerfließen vor Selbstkritik und Wohlwollen. Denn es sind schließlich alle, ohne Ausnahme, an einer persönlichen Weiterentwicklung interessiert, wozu wären sie sonst auch hier…?

Natürlich will man alles mit „hinaus“ nehmen, in die Welt da draußen außerhalb der geschützten Werkstatt…

Und wohin ich auch steige, überallhin folgt mir mein Hunder, der heißt „Ich“.
(Friedrich Wilhelm Nietzsche)

…schmunzeln Sie jetzt? Haben Sie das auch schon mal erlebt? …und wie sieht es dann nach einem solchen Seminar im „richtigen Leben“ aus?

Sie kennen sicher den Satz „Oje, jetzt kommt er/sie wieder vom Seminar… jetzt wird wieder alles anders… aber das beruhigt sich schon wieder…“ – oder: „Achtung, das Seminarsyndrom ist im Anrollen…“ etc.

Aber Sie werden es nicht glauben – es gibt sie! – die hartnäckigen und disziplinierten, die Gelerntes auch ins Leben transferieren und umsetzen. Mal mehr – mal weniger… aber immer öfter.

Und die, die es genau wissen wollen, schaffen sich Grenzsituationen – damit es so richtig zur Sache geht, und fahren auf Vision Quest, auf Survival-Training oder auch nur zum Campen, Segeln oder – arbeiten als Lehrer, Trainer oder Coach… 😉

Jeder von uns ist sein eigener Teufel, und wir machen uns diese Welt zur Hölle.
(Oscar Wilde)

Immer wieder werde ich gefragt: „…und wie tut ihr euch da nonstop auf so engem Raum miteinander?“

Antwort: Besser als an Land!

Wie das?

Weil uns die Naturgewalten immer wieder in unsere Schranken weisen, bevor wir uns als die „Krone der Schöpfung“, allmächtig wähnend, über andere stellen oder uns zu wichtig nehmen… weil wir uns auch im Umgang mit Gästen an Bord in Toleranz und Achtsamkeit üben dürfen (auch wenn es manchmal schwer fällt 😉 und nicht alles persönlich nehmen… und weil wir immer wieder aus eigenen Grenzen ausbrechen müssen, dürfen oder wollen.

Wenn man mit Menschen auf engem Raum zusammen ist und Abhängigkeiten spürbar werden, ist es die Gelegenheit, eigene Grenzen und Kompetenzen auszuloten. Konsum verlegt sich von Einkauf über Essen in Richtung Sehenswürdigkeiten und Inanspruchnahme. Der Hedonismus blüht auch oder gerade bei Individualreisen. Rücksichten kollidieren mit Ansichten und Einsichten und können neue Aussichten geben. Rollen wechseln sich ab und Hierarchien definieren sich neu.

Die meisten Menschen hasten so sehr nach Genuss, dass sie an ihm vorbeirennen.
Søren Aabye Kierkegaard

Es gibt kaum einen Ort, der sozial so herausfordernd ist, wie ein Segelboot. Und so ist es eine gute Schule für Sozialkompetenz. In jedem Hafen kursieren Geschichten von seglerischen Krisensituationen und gruppendynamischen Desastern.

Wir haben das zum Glück noch nicht erlebt, aber Herausforderungen gibt es immer wieder. Die meisten erkennen sich in solchen Situationen und lernen daraus. Andere halten ihre Scheuklappen geschlossen und projizieren sich mehr oder weniger erfolgreich auf andere…

Nur das Wissen über die schönen Dinge unterscheidet den lustvollen Genießer vom konsumierenden Verbraucher.
Burkhard Treude

Aber – ist es wirklich so viel anders als an Land?

Zwar nicht örtlich, aber thematisch und projekttechnisch sind oft auch hier Menschen aneinander gekettet und können nicht aus… mag sein, dass es an Bord existenzieller ist… da geht es um Leben… dort geht es um Geld.

Aber da wie dort können Sie jeden Tag ein Abenteuer erleben!

Jeder Ihrer Mitstreiter steckt voller Überraschungen! So oder so.

Und jeder hat eine Aufgabe, die der Allgemeinheit dient. An Bord ist es nur offensichtlicher… 😉

 

Viel Freude bei Ihren täglichen Entdeckungsreisen,

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

„Ein glückliches Neues Jahr!“ So beginnt es doch immer, das neue Jahr, wenn wir uns zuprosten und anstoßen.

„Glückwunsch!“ …damit beglückwünschen wir jemanden, der etwas erreicht hat. Dabei hat er das vermeintliche Glück ja bereits erreicht und wir bräuchten es nicht mehr zu wünschen… oder ist es der Wunsch, dass er erkennen soll, wie glücklich er bereits ist? Glück ist des meisten Menschen Ziel. Auch wenn wir nicht genau wissen, was es eigentlich ist.

Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber noch mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sind. (Albert Schweitzer)

Man weiß selten, was Glück ist, aber man weiß meistens was Glück war. (Françoise Sagan)

In antiken Zeiten kamen Philosophen aus ihren Beobachtungen zu dem Schluss, dass man Glück nur durch Unglück erkennen kann… das auf und ab des Lebens sei nötig, um überhaupt glücklich sein zu können. Bis heute versucht man in Studien und Umfragen dem Glück auf die Spur zu kommen. Erst jüngst wurde eine solche veröffentlicht. Robert Waldinger (US-Psychiater) kam in einer Auswertung aus mehreren Langzeitstudien zu dem Ergebnis, dass gute soziale Beziehungen gesund und glücklich machen und den Menschen somit auch länger leben lassen.

Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben. (Carmen Sylva)

Daten und Fakten belegen nun, was wir alle in unserem Inneren spüren… es kommt nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität der Beziehungen an. Ein wirklicher Freund, auch selten gesehen, wiegt hier mehr als ein regelmäßiger oberflächlicher Cliquentreff.

Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei, als tausend Feinde zu unserem Unglück. (Marie von Ebner Eschenbach)

Und eine gute, stabile Partnerschaft ist laut Waldinger ein Schlüssel zum Glück, dennoch sahen Aristoteles und Schopenhauer das Glück in der Selbstgenügsamkeit.

Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich. (Hermann Hesse)

Wieder einmal wird in der o.a. Studie dargelegt, dass Geld und Ruhm keinen Glücksfaktor darstellen. Doch kennt man aus anderen Auswertungen den finanziellen „Break Even Point“ zum Glück, der bei ca. 30.000,- Euro pro Jahr liegen soll. Darunter seien Menschen aus finanziellen Problemen heraus eben doch unglücklich… (dpa)

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. (Søren Kierkekaard)

Dabei können wir alle glücklich sein, dass wir Österreicher sind! Denn damit liegen wir ebenso laut einer weltweiten Studie der UNO an der 12. Stelle zum Glück! (Von 157 ausgewerteten Staaten) Als Österreicher ist man also relativ glücklich 😉

Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind. (Charles-Louis de Montesquieu

Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich. (André Gide)

Aber gehen wir jetzt weg von den Studien zu Ihrer persönlichen Empfindung… Wie glücklich sind Sie wirklich? Was glauben Sie, brauchen Sie zum Glück?

Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten. (Pearl S. Buck)

Am Beginn des neuen Jahres werden oft Pläne geschmiedet, Visionen definiert, Ziele anvisiert… wozu?… doch nur, um glücklicher zu werden! Oder etwa nicht?

Wie sieht Ihr Weg zum Glück 2017 aus?

Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden. (Nicolas Chamfort)

Ich selbst halte es da mit Goethe, der meinte: Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche zu verehren. (Johann Wolfgang von Goethe)

 

Ich würde mich auf Ihre persönliche Glücksdefinition freuen!

Prosit 2017!

 

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

Das Jahr ist alt geworden… unser Schiff wieder wie neu. Oft müssen wir entscheiden, ob wir etwas belassen und damit „auslaufen“ oder vergehen lassen … oder ob wir es bewusst wieder mit Energie aufladen. Alles, was in unserem Leben bleiben soll, ob es ein Schiff, ein Haus, ein Auto, ein Projekt oder ein Mensch ist, müssen wir stets mit Energie versorgen… es immer wieder aufladen… immer wieder erneuern.

Dabei kann es zwischendurch Zeiten geben, in denen etwas beinahe vergeht oder stirbt. Vielleicht bemerken wir es erst dann, wenn es beinahe schon zu spät ist… und es dann nochmal zum Leben zu erwecken, kostet viel Energie.

Schiffe sind hier ein gutes Beispiel. Allerorts auf der Welt sieht man verlassene Boote, manche kurzzeitig, manche länger und andere schon seit Jahrzehnten. Letztere sind Wracks geworden. Um hier wieder Energie hineinzustecken, muss es schon ein ganz besonderes Schiff sein.

If you can dream it, you can do it.
Walt Disney

Und dennoch erleben wir immer wieder, dass es möglich ist. Immer wieder gräbt ein Mensch ein altes Schiff aus und verwirklicht seinen Traum. Unmengen an Arbeitsstunden und Geld fließen hinein… aber er schafft es.

Warum?
Weil er eine Vision hat.

Ein große Vision verleiht noch größere Flügel als Angst.
Wadim Korsch

Andererseits gibt es Schiffe, deren Besitzer ihre Vision verloren haben und nur deshalb irgendwie weitertun, weil sie ja schon so viel getan haben… weil sie glauben, sonst einen Verlust zu erleiden. Dann wird es meistens teuer und sinnlos. Dasselbe geschieht, wenn jemand zu lange und zu zögerlich seine Vision umsetzt. Wenn er unsicher wird, Angst bekommt, sich ablenken lässt, bequem wird oder ähnliches. Es vergehen Jahre… und die Vision wird immer kleiner… bis man nicht mehr weiß, wozu man das überhaupt tut und es nur noch als Belastung sieht.

So ist es mit allen Dingen auf dieser Welt. Wir müssen unsere Visionen hoch halten, den Blick heben und nicht in Hindernissen oder Zeitschleifen versinken.

Man muss nach den Sternen greifen, wenn man die Wolken erreichen will.
Wim Thoelke

Wenn ein Jahr zu Ende geht und ein Neues beginnt, sollten wir uns gut überlegen, worin unsere Energien stecken… was wir vergehen lassen … und was wir erneuern.

Heben wir unseren Blick…
… und streifen alles Hinderliche ab, lassen es hinter uns… lassen es sterben. Um unsere Energie in das Neue fließen zu lassen, das unserer Vision dient.

Und glauben Sie mir, allein das reicht aus, um dem Glück auf den Fersen zu sein!

Wir alle schreiten durch die Gasse, aber einige wenige blicken zu den Sternen auf.
Oscar Wilde

Ich blicke zu den Sternen… Und wünsche Ihnen zum kommenden Jahreswechsel eine starke klare Vision für das Neue Jahr!

 

Ihre
Cornelia Scala-Hausmann

www.florimell.at/aktuell/logbook-7-karibische-see/

www.zukunftskompass.at/coaching-lehrgaenge/fern-lehrgang/

Soeben lese ich über einen Trend mit dem neudeutschen Namen „Slow Travel“… überhaupt wird immer mehr „Slow“, nachdem das „Fast“ an die Grenzen der Erträglichkeit stößt: „Slow-Design“ – mit Selfmade als neues Statussymbol, „Slow Media“ – wo man sich bewusst gegen die Informationsflut entscheidet… vielleicht auch bald „Slow Business“ oder „Slow Finance“ (das hätten wohl viele gern schneller)… welche Tore täten sich bei „Slow Partnership“ oder „Slow Study“ auf?… Da seh’ ich schon recht amüsante Szenerien!

Wie so oft, werden auch hier genau zehn Parameter genannt, die bei Slow Travel relevant seien, die jedoch sicherlich nicht neu sind:

  • Das Tempo drosseln (…entspannen, nichts muss sein)
  • Die Komfortzone ausweiten (…mal was anderes)
  • Das Leben (die Reise) vereinfachen (…weniger ist mehr)
  • Pläne loslassen (…nichts für Kontrollfreaks)
  • Weniger ausgeben (!)
  • Fuß fassen und ankommen (…auf einen Ort einlassen)
  • Sich einfügen (…beobachten und Kontakt aufnehmen)
  • Auf Fremde vertrauen (…auch wenn’s schwer fällt ;-))
  • Dankbarkeit zeigen (…aussprechen und zeigen!)
  • Das Gewöhnliche wertschätzen (…was ist schon gewöhnlich?)

Offenbar kommen immer mehr dahinter, dass in der Langsamkeit einiges zu gewinnen ist. Und die Individualisten unter uns gehen sowieso ihre eigenen Wege.

Im „Slow“ findet so mancher ein neues Reisegefühl – ganz gleich, ob mit kleinem oder großem Budget. Slow kann sich jeder leisten. Sofern er es will.

Einmal bin ich einer Busrundreise erlegen… die Konversation war „Schau!… Mist vorbei… Doch da! … Wo? … Da hinten! … Ah… seh’ ich nicht mehr.“ Oder: „Boah! Da vorn… das musst’ fotografieren! …Maaah! Wo ist jetzt die Kamera? ….Shit, vorbei…“

Und so weiter und so fort. Sightseeing mit dem Bus ist wie Fernsehen. Man lässt es an sich vorüber ziehen. Fernsehen kann man aber zu Hause bequemer. Und billiger.

Busreisen als Transport zum Ziel finde ich fein, aber als Besichtigungsrundreise nicht zweckmäßig – außer, um loslassen zu üben: Da gibt’s was zu sehen! – loslassen. Ah, da wäre wieder was… loslassen. Fotos sind wichtig? …loslassen. Was man sieht, sieht man, was nicht, nicht. Loslassen. Am besten schlafen, meditieren, Musik hören etc. oder einfach mit Reisegefährten plaudern.

Am Segelschiff ist man sehr „slow“ unterwegs und muss sich dennoch im Loslassen üben. Es kann passieren, dass man seit Monaten ein Ziel ins Auge fasst… der Wind dreht… – loslassen. 😉

Hier in Kärnten wird es kälter um uns… und in mir keimt die Vorfreude auf die tropische Wärme wieder auf. Die nächste Segeletappe wartet, die über den gesamten karibischen Inselbogen gegen Norden und über Mexiko, Belize, Guatemala und Honduras wieder gegen Süden führen wird.

 

Was wird uns diesmal begegnen?

Was immer es sein wird – ich werde es „slow“ angehen.

 

Doch bevor wir (leider doch sehr schnell) abreisen, wird noch verabschiedet.

Am 20. Oktober ab 19.00 Uhr geben wir eine kleine Abschiedsfeier im Reigen von Harald Klärner’s Kunstausstellung „Die Wächter“ im eduCARE in Treffen am Ossiacher See.

Es gibt ein paar erzählerische Rück- und Ausblicke über unsere Reise und Harald führt durch seine Ausstellung mit 40 Wächterobjekten, Segelkunststücken und Zeichnungen.

Ein gemütlicher „slower“ Abend mit entschleunigenden Gesprächen.

Ich freue mich auf Ihr Kommen.

 

Und von denjenigen, die nicht persönlich dabei sein können, verabschiede ich mich hiermit schriftlich… denn der nächste Newsletter kommt schon wieder von Bord der Florimell, allerdings noch auf dem Trockendock in Trinidad…

 

Also bis zur nächsten Flaschenpost,

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

Sommer-nach-träume & Lebensarbeit

Der Sommer dient vielen als Verschnaufpause. So auch für mich. Wenn auch etwas anders als bei den meisten. Ist man ein Jahr unterwegs, schieben sich einige Dinge zusammen, die dann in kurzer Zeit erledigt werden wollen… wenngleich das ja auch nur der eigene Anspruch ist 😉 Auch abseits der Ozeane mit beiden Beinen fest auf zumeist österreichischen Boden ist ständig etwas zu tun.

Mitte Mai von der letzten Segelreise zurück gekehrt, brauchte es das erste Monat, um anzukommen und sich zu erholen. (Nein, so eine Reise ist kein Urlaub!) Das zweite Monat, um wieder organisatorisch einzusteigen und Dinge zu planen, die geplant gehören. Das dritte, um Freunde zu besuchen und Projekte zu finalisieren, die existenziell sind.

… bleiben noch zwei Monate… NUR noch zwei Monate!

Der September steht unter dem Stern einer Wohnung für Tochter in Wien… Organisation einer Kunstausstellung für Harald… eventuell doch noch einen Reisevortrag vorbereiten… den neuen Fernlehrgang – nun endlich in den letzten Monaten komplett neu überarbeitet – online zu stellen… und die nächste Reiseetappe zu planen… (Ja, Mitte Oktober soll es wieder nach Trinidad gehen)

 

Zeit ist relativ.

 

Wenn ich mein Leben betrachte und vor allem hinein fühle, so wird mir eines klar. Bis vor ein paar Jahren war ich unglaublich beschäftigt im Außen. Ich hatte immer das Bild, mit einem Pflug gleichzeitig mehrere Felder zu pflügen. Es gelang auch nicht mal so schlecht und war für mich völlig in Ordnung zu der Zeit.

Jetzt, quasi als „Aussteigerin“ sollte man meinen, dass das Leben „Urlaub“ wäre. Doch jetzt bemerke ich, dass ich erst wirklich zu arbeiten beginne!

Diese „Arbeit“ fühlt sich jedoch weit essenzieller an als bisher. Es ist Seelenarbeit und als solche tiefgehend und nicht minder anstrengend. Jetzt erst konnte und kann ich mein bisheriges Lernen vom Leben immer mehr bündeln – in Büchern, die z.T. schon erschienen sind, z.T. in Arbeit sind – in einem Fernlehrgang, der immer anspruchsvoller wird – in der Abnabelung meiner Kinder – in der Beziehung, die immer spannend bleibt – und schließlich in der Organisation meines Lebens an sich, mit Reisen und finanzieller Unabhängigkeit.

 

Ja, mein Leben ist Arbeit – und Arbeit ist Leben. Tatsächlich.

 

Arbeit ist für mich „wesentlich“ geworden. Ist sie das für mich und mein Wesen nicht, ist es Beschäftigung, die ich zu vermeiden versuche. Alles zu seiner Zeit

Erst jetzt, mit 51, gelange ich zu einer Freiheit, die ich mir nehmen musste, um sie erleben zu können…. und erst jetzt habe ich das Gefühl, so richtig Lebensarbeit zu verrichten, unabgelenkt von fremdbestimmten beschäftigungstherapeutischen Zwängen.

Wie war das möglich?

…indem ich Besitz aufgelöst und unternehmerisch eingesetzt habe. Indem ich Freunden vertraut und losgelassen habe. Indem ich vieles einfach hergeschenkt und anderes nicht mehr angenommen habe. Indem ich manches, das sich seltsam anfühlte, einfach nicht entschieden habe. Indem ich einfach nur das Leben vorwärts Schritt für Schritt ohne viel Planung gelebt habe.

Faszinierend.

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei Ihrem nächsten geplanten, aber vor allem bei Ihrem nächsten ungeplanten Schritt in den Herbst!

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann