Ich verstehe nur zu gut, wenn Ihnen nicht mehr zum lachen ist… auch in Belize und Guatemala bekommen wir einigermaßen die wichtigsten Eckdaten der Weltgeschichte mit. Belize ist eines meiner Lieblingsdestinationen geworden… archäologische Tempelstätten ober und wunderschöne Landschaften unter Wasser. Hier begegnete ich meinem ersten Hai, meinem ersten Adlerrochen… beide majestätisch dahingleitend… als ob Ihnen nichts etwas anhaben könnte.

Ob die noch was zu lachen haben? Ich weiß, Tiere lachen nicht… aber sinnbildlich darf ich diese Formulierung nutzen. Der größte Teil der Küste von Belize ist durch ein großes Barrier Reef geschützt… nach dem australischen das zweitgrößte der Welt. Innerhalb gibt es kaum noch Fische. Wenige Fischer oder Segler halten sich an die Schutzzeiten der diversen Arten. Jeder sieht nur seinen eigenen, kleinen Raub an der Natur und meint, es fiele nicht ins Gewicht.

An der Außenseite des Riffs geht es hunderte Meter in die Tiefe… hier kann man noch Walhaie beobachten, die zu Vollmond an die Wasseroberfläche kommen. Das Riff schützt das Land vor Welle und Sturmflut, nur an wenigen Durchgängen strömt das Karibische Meer hinein… an so einem Durchgang waren wir tauchen und hier begegnete ich dem Lächeln der zivilisierten Welt…

…ich traute meinen Augen kaum… wir waren an dem Ort, wo es das klarste Wasser geben soll… ich konnte deutlich die herrlichen Fächer-, Baum- und Hirnkorallen betrachten, die Rifffische, die hier noch leben, die Quallen, die leider mehr werden… und… ein Smiley, das mir in blau entgegen lächelt!!!

„Muchos Gracias“ steht darüber… und es schwimmt ca. einem Meter unter der Wasseroberfläche, umgeben von diversen Plastikteilen, zerfetzt von Schiffsschrauben… sie streifen an meinen Haaren und Gesicht, wenn ich durchschwimme.

Worüber die jetzige Welt lächelt, lächelt deswegen die Nachwelt noch nicht… (Georg Christoph Lichtenberg, Physiker)

Vom Boot aus sieht man das alles nicht. Aus der Perspektive sieht das Wasser glasklar aus. Nur von unten erkennt man, was knapp unter der Oberfläche verborgen ist. Auch das auflandige Ufer der kleinen Insel, auf der ein Seeadler sein Nest hat, ist voll von Plastikmüll, den es immer wieder anschwemmt… der wahre Eroberer des Paradieses.

Es ist leichter zu lächeln, als zu erklären warum man weint. (Unbekannt)

 

Vor kurzem bin ich wieder einmal über das Venusprojekt (Name mit link hinterlegen https://www.thevenusproject.com) von Jaques Fresco (Name mit link hinterlegen https://de.wikipedia.org/wiki/Jacque_Fresco) gestolpert. Dieser hochgradige Forscher und Entwickler aus der USA forciert eine Ressourcen- statt Geldwirtschaft, zeigt Modelle auf, wie es ohne Geld gehen könnte… doch die Menschen sind nicht bereit dazu. Steht es doch im krassen Gegensatz zu allem bisher Gelernten und damit jenseits der Vorstellungskraft von Vielen.

„In unserer Zukunft müssen wir einen Weg beschreiten, der unserer Umwelt, sowie alles existierende Leben auf der Erde schützt. Der wichtigste und zentralste Aspekt des Venus Projects ist der Übergang aus einem monetären System (Finanz- und Geldsystem) in eine auf Ressourcen basierende Wirtschaftsoptimierung unter maximaler Anwendung von bei Güterproduktion angewendeter Automation, sowie derer computergestützten Entscheidungsfindung.

Wir fordern eine komplette Neugestaltung unserer Kultur, in der uralte Unzulänglichkeiten wie Kriege, Armut, Hunger, Schulden und unnötiges menschliches Leid nicht nur als vermeidbar, sondern als völlig inakzeptabel angesehen werden“ (Jacque Fresco)

Was wäre die Welt ohne Geld?…ohne Gier?

…sie wäre nicht diese Welt.

Und wir?

Wir wissen, was auf uns zukommt. Aber glauben wir daran? …

…wir lächeln.

Und manches Lächeln lächelt da zumeist, wo des Gewissens Qual die Brust zerreißt. (Lord George Gordon Noel Byron)

 

In diesem Moment kommt mir der berühmte Satz von Sokrates in den Sinn… „Je mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, dass ich nicht weiß“, der auch im Sinne von „Je mehr ich weiß, desto mehr muss ich glauben“ verstanden werden kann. Und plötzlich bekommt er für mich eine völlig neue Dimension… für Sie auch?

…doch davon mehr im nächsten Newsletter…

 

Muchos gracias,

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

 

Ich sitze gerade an Deck unseres Catamarans und blicke um mich. Wir sind mitten im Nirgendwo der kubanischen Cayos, den südlich vorgelagerten Riffinseln. Sie sind kaum bewohnt, an zwei bis drei Plätzen gibt es Touristenstrände… aber sonst ist hier niemand außer Reiher, Krokodile, Mangroven und türkisgrünes Wasser.

Eine karge Landschaft. Wenig Abwechslung. Und doch speziell.

In der Ruhelosigkeit unserer Gesellschaft ist eine solche Ruhe wohltuend, sofern man es schafft, sie auszuhalten. Oft sehnen wir uns danach, aber sobald es ruhig ist, flüchten wir wieder in Unruhe, beschäftigen uns, tun und denken vieles parallel.

Körperlich sind wir hier schon etwas weiter. Wir werden achtsamer, was wir unserem Körper zumuten und was nicht… machen Fastenkuren und halten uns fit. Ein dicker Bauch mutiert vom Symbol für Reichtum und Lebenslust zum Makel für Dummheit und Armut. Die Erfolgreichen und Intelligenten unserer Zeit sind schön und fit, sie lassen sich nicht mehr gehen, sie haben sich im Griff…

…im Gehirn allerdings ist von Fasten und Fitness keine Rede. Da darf alles hineinströmen, das wird weiterhin ungefiltert mit allem gefüttert und vollgestopft.

 

„Wir leben in einem System des ständigen Getriebenseins, gehen mit unserem Körper besser um als mit Geist und Seele… aber im Gehirn frönen wir einer ungezügelten Völlerei… stopfen es mit unwichtigen Informationen voll und geben ihm kaum die Möglichkeit zu verdauen… das Problem ist unser ständig auf Zerstreuung und Beschleunigung programmiertes Betriebssystem…“

(Ulrich Schnabel / Muße – vom Glück des Nichtstuns)

 

Schlimm, wenn wir sowohl in Magen als auch Gehirn übervoll sind. Und das täglich. Klatsch, Zeitungen, Fernsehen, Filme, Bücher, Arbeit und vieles mehr, was wir gar nicht bemerken. Kein Wunder, dass wir übergehen… manchmal sogar überkochen.

Da wäre es doch hilfreich, sich reizarme Räume zu schaffen, wie in der östlichen Philosophie ZEN, nicht nur körperliche, sondern auch geistige Diät zu halten, unsere Möglichkeiten zu reduzieren und Ballast abzuwerfen.

…hier ist so ein Ort, wo das möglich ist… hier in den Cayos von Cuba. Wo nichts zu sehen ist, wo nichts zu finden ist, außer Reiher, Krokodile, Mangroven und türkisgrünes Wasser…

 

mit diät-geistigen Grüßen

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

Waren Sie schon mal auf Survival-Training? Oder vielleicht in einem Kloster schweigen? Oder nur eine Zeit lang auf einem Segelboot?

Nein? Dann haben Sie etwas versäumt. Und wenn ja, dann wissen Sie, wovon ich spreche.

Wie heißt es so schön bei all den Seminaren und Fortbildungen? „Ausprobieren im geschützten Rahmen…“ weil – es kann ja nix passieren im Seminar… es bleibt ja alles unter „uns“. Zumeist werden die Teilnehmer/innen auch ganz einsichtig im geschlossenen Kreise und zerfließen vor Selbstkritik und Wohlwollen. Denn es sind schließlich alle, ohne Ausnahme, an einer persönlichen Weiterentwicklung interessiert, wozu wären sie sonst auch hier…?

Natürlich will man alles mit „hinaus“ nehmen, in die Welt da draußen außerhalb der geschützten Werkstatt…

Und wohin ich auch steige, überallhin folgt mir mein Hunder, der heißt „Ich“.
(Friedrich Wilhelm Nietzsche)

…schmunzeln Sie jetzt? Haben Sie das auch schon mal erlebt? …und wie sieht es dann nach einem solchen Seminar im „richtigen Leben“ aus?

Sie kennen sicher den Satz „Oje, jetzt kommt er/sie wieder vom Seminar… jetzt wird wieder alles anders… aber das beruhigt sich schon wieder…“ – oder: „Achtung, das Seminarsyndrom ist im Anrollen…“ etc.

Aber Sie werden es nicht glauben – es gibt sie! – die hartnäckigen und disziplinierten, die Gelerntes auch ins Leben transferieren und umsetzen. Mal mehr – mal weniger… aber immer öfter.

Und die, die es genau wissen wollen, schaffen sich Grenzsituationen – damit es so richtig zur Sache geht, und fahren auf Vision Quest, auf Survival-Training oder auch nur zum Campen, Segeln oder – arbeiten als Lehrer, Trainer oder Coach… 😉

Jeder von uns ist sein eigener Teufel, und wir machen uns diese Welt zur Hölle.
(Oscar Wilde)

Immer wieder werde ich gefragt: „…und wie tut ihr euch da nonstop auf so engem Raum miteinander?“

Antwort: Besser als an Land!

Wie das?

Weil uns die Naturgewalten immer wieder in unsere Schranken weisen, bevor wir uns als die „Krone der Schöpfung“, allmächtig wähnend, über andere stellen oder uns zu wichtig nehmen… weil wir uns auch im Umgang mit Gästen an Bord in Toleranz und Achtsamkeit üben dürfen (auch wenn es manchmal schwer fällt 😉 und nicht alles persönlich nehmen… und weil wir immer wieder aus eigenen Grenzen ausbrechen müssen, dürfen oder wollen.

Wenn man mit Menschen auf engem Raum zusammen ist und Abhängigkeiten spürbar werden, ist es die Gelegenheit, eigene Grenzen und Kompetenzen auszuloten. Konsum verlegt sich von Einkauf über Essen in Richtung Sehenswürdigkeiten und Inanspruchnahme. Der Hedonismus blüht auch oder gerade bei Individualreisen. Rücksichten kollidieren mit Ansichten und Einsichten und können neue Aussichten geben. Rollen wechseln sich ab und Hierarchien definieren sich neu.

Die meisten Menschen hasten so sehr nach Genuss, dass sie an ihm vorbeirennen.
Søren Aabye Kierkegaard

Es gibt kaum einen Ort, der sozial so herausfordernd ist, wie ein Segelboot. Und so ist es eine gute Schule für Sozialkompetenz. In jedem Hafen kursieren Geschichten von seglerischen Krisensituationen und gruppendynamischen Desastern.

Wir haben das zum Glück noch nicht erlebt, aber Herausforderungen gibt es immer wieder. Die meisten erkennen sich in solchen Situationen und lernen daraus. Andere halten ihre Scheuklappen geschlossen und projizieren sich mehr oder weniger erfolgreich auf andere…

Nur das Wissen über die schönen Dinge unterscheidet den lustvollen Genießer vom konsumierenden Verbraucher.
Burkhard Treude

Aber – ist es wirklich so viel anders als an Land?

Zwar nicht örtlich, aber thematisch und projekttechnisch sind oft auch hier Menschen aneinander gekettet und können nicht aus… mag sein, dass es an Bord existenzieller ist… da geht es um Leben… dort geht es um Geld.

Aber da wie dort können Sie jeden Tag ein Abenteuer erleben!

Jeder Ihrer Mitstreiter steckt voller Überraschungen! So oder so.

Und jeder hat eine Aufgabe, die der Allgemeinheit dient. An Bord ist es nur offensichtlicher… 😉

 

Viel Freude bei Ihren täglichen Entdeckungsreisen,

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

„Ein glückliches Neues Jahr!“ So beginnt es doch immer, das neue Jahr, wenn wir uns zuprosten und anstoßen.

„Glückwunsch!“ …damit beglückwünschen wir jemanden, der etwas erreicht hat. Dabei hat er das vermeintliche Glück ja bereits erreicht und wir bräuchten es nicht mehr zu wünschen… oder ist es der Wunsch, dass er erkennen soll, wie glücklich er bereits ist? Glück ist des meisten Menschen Ziel. Auch wenn wir nicht genau wissen, was es eigentlich ist.

Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber noch mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sind. (Albert Schweitzer)

Man weiß selten, was Glück ist, aber man weiß meistens was Glück war. (Françoise Sagan)

In antiken Zeiten kamen Philosophen aus ihren Beobachtungen zu dem Schluss, dass man Glück nur durch Unglück erkennen kann… das auf und ab des Lebens sei nötig, um überhaupt glücklich sein zu können. Bis heute versucht man in Studien und Umfragen dem Glück auf die Spur zu kommen. Erst jüngst wurde eine solche veröffentlicht. Robert Waldinger (US-Psychiater) kam in einer Auswertung aus mehreren Langzeitstudien zu dem Ergebnis, dass gute soziale Beziehungen gesund und glücklich machen und den Menschen somit auch länger leben lassen.

Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben. (Carmen Sylva)

Daten und Fakten belegen nun, was wir alle in unserem Inneren spüren… es kommt nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität der Beziehungen an. Ein wirklicher Freund, auch selten gesehen, wiegt hier mehr als ein regelmäßiger oberflächlicher Cliquentreff.

Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei, als tausend Feinde zu unserem Unglück. (Marie von Ebner Eschenbach)

Und eine gute, stabile Partnerschaft ist laut Waldinger ein Schlüssel zum Glück, dennoch sahen Aristoteles und Schopenhauer das Glück in der Selbstgenügsamkeit.

Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich. (Hermann Hesse)

Wieder einmal wird in der o.a. Studie dargelegt, dass Geld und Ruhm keinen Glücksfaktor darstellen. Doch kennt man aus anderen Auswertungen den finanziellen „Break Even Point“ zum Glück, der bei ca. 30.000,- Euro pro Jahr liegen soll. Darunter seien Menschen aus finanziellen Problemen heraus eben doch unglücklich… (dpa)

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. (Søren Kierkekaard)

Dabei können wir alle glücklich sein, dass wir Österreicher sind! Denn damit liegen wir ebenso laut einer weltweiten Studie der UNO an der 12. Stelle zum Glück! (Von 157 ausgewerteten Staaten) Als Österreicher ist man also relativ glücklich 😉

Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind. (Charles-Louis de Montesquieu

Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich. (André Gide)

Aber gehen wir jetzt weg von den Studien zu Ihrer persönlichen Empfindung… Wie glücklich sind Sie wirklich? Was glauben Sie, brauchen Sie zum Glück?

Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten. (Pearl S. Buck)

Am Beginn des neuen Jahres werden oft Pläne geschmiedet, Visionen definiert, Ziele anvisiert… wozu?… doch nur, um glücklicher zu werden! Oder etwa nicht?

Wie sieht Ihr Weg zum Glück 2017 aus?

Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden. (Nicolas Chamfort)

Ich selbst halte es da mit Goethe, der meinte: Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche zu verehren. (Johann Wolfgang von Goethe)

 

Ich würde mich auf Ihre persönliche Glücksdefinition freuen!

Prosit 2017!

 

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

Das Jahr ist alt geworden… unser Schiff wieder wie neu. Oft müssen wir entscheiden, ob wir etwas belassen und damit „auslaufen“ oder vergehen lassen … oder ob wir es bewusst wieder mit Energie aufladen. Alles, was in unserem Leben bleiben soll, ob es ein Schiff, ein Haus, ein Auto, ein Projekt oder ein Mensch ist, müssen wir stets mit Energie versorgen… es immer wieder aufladen… immer wieder erneuern.

Dabei kann es zwischendurch Zeiten geben, in denen etwas beinahe vergeht oder stirbt. Vielleicht bemerken wir es erst dann, wenn es beinahe schon zu spät ist… und es dann nochmal zum Leben zu erwecken, kostet viel Energie.

Schiffe sind hier ein gutes Beispiel. Allerorts auf der Welt sieht man verlassene Boote, manche kurzzeitig, manche länger und andere schon seit Jahrzehnten. Letztere sind Wracks geworden. Um hier wieder Energie hineinzustecken, muss es schon ein ganz besonderes Schiff sein.

If you can dream it, you can do it.
Walt Disney

Und dennoch erleben wir immer wieder, dass es möglich ist. Immer wieder gräbt ein Mensch ein altes Schiff aus und verwirklicht seinen Traum. Unmengen an Arbeitsstunden und Geld fließen hinein… aber er schafft es.

Warum?
Weil er eine Vision hat.

Ein große Vision verleiht noch größere Flügel als Angst.
Wadim Korsch

Andererseits gibt es Schiffe, deren Besitzer ihre Vision verloren haben und nur deshalb irgendwie weitertun, weil sie ja schon so viel getan haben… weil sie glauben, sonst einen Verlust zu erleiden. Dann wird es meistens teuer und sinnlos. Dasselbe geschieht, wenn jemand zu lange und zu zögerlich seine Vision umsetzt. Wenn er unsicher wird, Angst bekommt, sich ablenken lässt, bequem wird oder ähnliches. Es vergehen Jahre… und die Vision wird immer kleiner… bis man nicht mehr weiß, wozu man das überhaupt tut und es nur noch als Belastung sieht.

So ist es mit allen Dingen auf dieser Welt. Wir müssen unsere Visionen hoch halten, den Blick heben und nicht in Hindernissen oder Zeitschleifen versinken.

Man muss nach den Sternen greifen, wenn man die Wolken erreichen will.
Wim Thoelke

Wenn ein Jahr zu Ende geht und ein Neues beginnt, sollten wir uns gut überlegen, worin unsere Energien stecken… was wir vergehen lassen … und was wir erneuern.

Heben wir unseren Blick…
… und streifen alles Hinderliche ab, lassen es hinter uns… lassen es sterben. Um unsere Energie in das Neue fließen zu lassen, das unserer Vision dient.

Und glauben Sie mir, allein das reicht aus, um dem Glück auf den Fersen zu sein!

Wir alle schreiten durch die Gasse, aber einige wenige blicken zu den Sternen auf.
Oscar Wilde

Ich blicke zu den Sternen… Und wünsche Ihnen zum kommenden Jahreswechsel eine starke klare Vision für das Neue Jahr!

 

Ihre
Cornelia Scala-Hausmann

www.florimell.at/aktuell/logbook-7-karibische-see/

www.zukunftskompass.at/coaching-lehrgaenge/fern-lehrgang/

Soeben lese ich über einen Trend mit dem neudeutschen Namen „Slow Travel“… überhaupt wird immer mehr „Slow“, nachdem das „Fast“ an die Grenzen der Erträglichkeit stößt: „Slow-Design“ – mit Selfmade als neues Statussymbol, „Slow Media“ – wo man sich bewusst gegen die Informationsflut entscheidet… vielleicht auch bald „Slow Business“ oder „Slow Finance“ (das hätten wohl viele gern schneller)… welche Tore täten sich bei „Slow Partnership“ oder „Slow Study“ auf?… Da seh’ ich schon recht amüsante Szenerien!

Wie so oft, werden auch hier genau zehn Parameter genannt, die bei Slow Travel relevant seien, die jedoch sicherlich nicht neu sind:

  • Das Tempo drosseln (…entspannen, nichts muss sein)
  • Die Komfortzone ausweiten (…mal was anderes)
  • Das Leben (die Reise) vereinfachen (…weniger ist mehr)
  • Pläne loslassen (…nichts für Kontrollfreaks)
  • Weniger ausgeben (!)
  • Fuß fassen und ankommen (…auf einen Ort einlassen)
  • Sich einfügen (…beobachten und Kontakt aufnehmen)
  • Auf Fremde vertrauen (…auch wenn’s schwer fällt ;-))
  • Dankbarkeit zeigen (…aussprechen und zeigen!)
  • Das Gewöhnliche wertschätzen (…was ist schon gewöhnlich?)

Offenbar kommen immer mehr dahinter, dass in der Langsamkeit einiges zu gewinnen ist. Und die Individualisten unter uns gehen sowieso ihre eigenen Wege.

Im „Slow“ findet so mancher ein neues Reisegefühl – ganz gleich, ob mit kleinem oder großem Budget. Slow kann sich jeder leisten. Sofern er es will.

Einmal bin ich einer Busrundreise erlegen… die Konversation war „Schau!… Mist vorbei… Doch da! … Wo? … Da hinten! … Ah… seh’ ich nicht mehr.“ Oder: „Boah! Da vorn… das musst’ fotografieren! …Maaah! Wo ist jetzt die Kamera? ….Shit, vorbei…“

Und so weiter und so fort. Sightseeing mit dem Bus ist wie Fernsehen. Man lässt es an sich vorüber ziehen. Fernsehen kann man aber zu Hause bequemer. Und billiger.

Busreisen als Transport zum Ziel finde ich fein, aber als Besichtigungsrundreise nicht zweckmäßig – außer, um loslassen zu üben: Da gibt’s was zu sehen! – loslassen. Ah, da wäre wieder was… loslassen. Fotos sind wichtig? …loslassen. Was man sieht, sieht man, was nicht, nicht. Loslassen. Am besten schlafen, meditieren, Musik hören etc. oder einfach mit Reisegefährten plaudern.

Am Segelschiff ist man sehr „slow“ unterwegs und muss sich dennoch im Loslassen üben. Es kann passieren, dass man seit Monaten ein Ziel ins Auge fasst… der Wind dreht… – loslassen. 😉

Hier in Kärnten wird es kälter um uns… und in mir keimt die Vorfreude auf die tropische Wärme wieder auf. Die nächste Segeletappe wartet, die über den gesamten karibischen Inselbogen gegen Norden und über Mexiko, Belize, Guatemala und Honduras wieder gegen Süden führen wird.

 

Was wird uns diesmal begegnen?

Was immer es sein wird – ich werde es „slow“ angehen.

 

Doch bevor wir (leider doch sehr schnell) abreisen, wird noch verabschiedet.

Am 20. Oktober ab 19.00 Uhr geben wir eine kleine Abschiedsfeier im Reigen von Harald Klärner’s Kunstausstellung „Die Wächter“ im eduCARE in Treffen am Ossiacher See.

Es gibt ein paar erzählerische Rück- und Ausblicke über unsere Reise und Harald führt durch seine Ausstellung mit 40 Wächterobjekten, Segelkunststücken und Zeichnungen.

Ein gemütlicher „slower“ Abend mit entschleunigenden Gesprächen.

Ich freue mich auf Ihr Kommen.

 

Und von denjenigen, die nicht persönlich dabei sein können, verabschiede ich mich hiermit schriftlich… denn der nächste Newsletter kommt schon wieder von Bord der Florimell, allerdings noch auf dem Trockendock in Trinidad…

 

Also bis zur nächsten Flaschenpost,

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

Sommer-nach-träume & Lebensarbeit

Der Sommer dient vielen als Verschnaufpause. So auch für mich. Wenn auch etwas anders als bei den meisten. Ist man ein Jahr unterwegs, schieben sich einige Dinge zusammen, die dann in kurzer Zeit erledigt werden wollen… wenngleich das ja auch nur der eigene Anspruch ist 😉 Auch abseits der Ozeane mit beiden Beinen fest auf zumeist österreichischen Boden ist ständig etwas zu tun.

Mitte Mai von der letzten Segelreise zurück gekehrt, brauchte es das erste Monat, um anzukommen und sich zu erholen. (Nein, so eine Reise ist kein Urlaub!) Das zweite Monat, um wieder organisatorisch einzusteigen und Dinge zu planen, die geplant gehören. Das dritte, um Freunde zu besuchen und Projekte zu finalisieren, die existenziell sind.

… bleiben noch zwei Monate… NUR noch zwei Monate!

Der September steht unter dem Stern einer Wohnung für Tochter in Wien… Organisation einer Kunstausstellung für Harald… eventuell doch noch einen Reisevortrag vorbereiten… den neuen Fernlehrgang – nun endlich in den letzten Monaten komplett neu überarbeitet – online zu stellen… und die nächste Reiseetappe zu planen… (Ja, Mitte Oktober soll es wieder nach Trinidad gehen)

 

Zeit ist relativ.

 

Wenn ich mein Leben betrachte und vor allem hinein fühle, so wird mir eines klar. Bis vor ein paar Jahren war ich unglaublich beschäftigt im Außen. Ich hatte immer das Bild, mit einem Pflug gleichzeitig mehrere Felder zu pflügen. Es gelang auch nicht mal so schlecht und war für mich völlig in Ordnung zu der Zeit.

Jetzt, quasi als „Aussteigerin“ sollte man meinen, dass das Leben „Urlaub“ wäre. Doch jetzt bemerke ich, dass ich erst wirklich zu arbeiten beginne!

Diese „Arbeit“ fühlt sich jedoch weit essenzieller an als bisher. Es ist Seelenarbeit und als solche tiefgehend und nicht minder anstrengend. Jetzt erst konnte und kann ich mein bisheriges Lernen vom Leben immer mehr bündeln – in Büchern, die z.T. schon erschienen sind, z.T. in Arbeit sind – in einem Fernlehrgang, der immer anspruchsvoller wird – in der Abnabelung meiner Kinder – in der Beziehung, die immer spannend bleibt – und schließlich in der Organisation meines Lebens an sich, mit Reisen und finanzieller Unabhängigkeit.

 

Ja, mein Leben ist Arbeit – und Arbeit ist Leben. Tatsächlich.

 

Arbeit ist für mich „wesentlich“ geworden. Ist sie das für mich und mein Wesen nicht, ist es Beschäftigung, die ich zu vermeiden versuche. Alles zu seiner Zeit

Erst jetzt, mit 51, gelange ich zu einer Freiheit, die ich mir nehmen musste, um sie erleben zu können…. und erst jetzt habe ich das Gefühl, so richtig Lebensarbeit zu verrichten, unabgelenkt von fremdbestimmten beschäftigungstherapeutischen Zwängen.

Wie war das möglich?

…indem ich Besitz aufgelöst und unternehmerisch eingesetzt habe. Indem ich Freunden vertraut und losgelassen habe. Indem ich vieles einfach hergeschenkt und anderes nicht mehr angenommen habe. Indem ich manches, das sich seltsam anfühlte, einfach nicht entschieden habe. Indem ich einfach nur das Leben vorwärts Schritt für Schritt ohne viel Planung gelebt habe.

Faszinierend.

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei Ihrem nächsten geplanten, aber vor allem bei Ihrem nächsten ungeplanten Schritt in den Herbst!

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

Vor einem Jahr stand ich ebenso in der Klosterruine Arnoldstein, kurz vor meiner Reise, von der ich vor knapp 3 Wochen zurück gekehrt bin. Damals wusste ich nicht, was mich erwarten würde… dass es jedoch vielfältig sein wird, war mir klar.

Vielfalt ist der natürliche Zustand unserer Welt. Sie dient uns zur Erweiterung unseres Erfahrungsschatzes. Und es ist nicht relevant, ob wir diese Vielfalt suchen oder ob sie zu uns kommt.

Reisen hat jedoch schon eine wichtige Funktion. Wenn jemand nur in den eigenen 4 Wänden bleibt und nie vor die Tür geht… und wenn, dann nur mit seinem Auto bis zum nächsten vertrauten Gebäude fährt, so wird dieser Mensch nur noch von Erzählungen und Berichten die Außenwelt kennen. Genauso ist es, wenn man nicht vor die Tür seines Heimatlandes geht, oder sich dort nur innerhalb von Bussen oder Hotels bewegt.

Stimmt, Vielfalt kann auf verschiedene Art und Weise wahrgenommen werden. Distanziert beobachtend oder aber auch mitten drin erlebend. Der Beobachter wird auch lernen, wenn er wertfrei beobachtet. Ohne Scheuklappen. Er lernt durch Analyse und Überblick. Der Erlebende lernt am eigenen Leib durch direkten Kontakt. Im Idealfall sollten sich beide austauschen oder von Zeit zu Zeit die Rollen wechseln. Denn jedem wird einiges verborgen bleiben. Keiner der beiden hat das ganze Bild.

In einem neues Land erwarten einem viele unbekannte Regeln, Gebräuche und Sitten. Über Internet bekommt man einen Überblick und Beobachten hilft hier nur in ganz bestimmten Situationen vor Ort. Doch um rasch weiter zu kommen, braucht es Kontaktaufnahme. Am besten mit Menschen von der Straße. Berührungsängste sind da nicht vorteilhaft, Reisende brauchen hier einen natürlichen Umgang mit dem Fremden. Neugierde und Freude an Neuem ist der beste Antrieb dafür.

Sind wir hier nicht derzeit in der Gesellschaftsebene genau in dem Bereich gefordert?

Im Businessbereich ist das bereits ein altes Thema, genannt Diversity. In den 90ern sah man darin noch die unterschiedlichsten Arbeitsweisen diverser Identitäten, um ein Organisationsziel zu erreichen. Heute geht es um eine Organisationskultur, die gegenüber allen Menschen offen ist, mögen sie auch noch so unterschiedlich sein. Wo früher Integration und Homogenisierung im Mittelpunkt stand, geht es heute um die Anerkennung des andersartigen Individuums.

Ethische Zugehörigkeit und Religion halten die Welt schon seit Jahrtausenden in Atem. … derzeitige Ereignisse sollten dazu dienen, neue Wege zu gehen. Forschungsgegenstand ist und war immer das Fremde in jeglicher Form. Je vielfältiger, desto besser. Wenn aus solchen Prozessen gelernt werden würde und daraus neue Kompetenzen und Ressourcen erwachsen, wäre das übrigens meiner Meinung das wahre Wachstum der Zukunft!

Kulturelle Differenzen, soziale Ungleichheit, Rassismus und institutioneller Diskriminierung, wandelnde gesellschaftliche, ökonomische, kulturelle und organisationale Verhältnisse, zunehmende Globalisierung, Transkulturalisierung und Transnationalisierung, der demographische Wandel sowie die (dadurch) zunehmende Schere zwischen arm und reich …das wird immer in einem Atemzug mit Diversity und Vielfaltsmanagement genannt.

Aber schauen wir es mal von einer persönlichen Seite an: Was durfte ich lernen auf meiner Reise in andere Kulturen?

Einer der größten Schätze, die ich mitnehmen durfte, war der, Berührungsängste verloren zu haben. Ich sehe z.B. Gambianer, Cap Verdianer, Brasilianer etc. nun mit anderen Augen. Nicht, dass ich sie vorher nicht wertgeschätzt hätte. Aber ich verstehe sie nun ein bisschen besser mit ihren Wertigkeiten und Notwendigkeiten.

Wer unsere Reise im Logbuch ein wenig mitverfolgt hat, kennt die Begegnung mit einer Frau in einem Vorort von Banjul, Gambia… oder die mit Christopher, ein 24jähriger Christ aus Banjul, der sein Land gerne verbessern würde… oder ein Student in Tutoia, Brasilien, der als einziger im Dorf englisch sprach… oder unsere Fahrten in den öffentlichen Bussen in Recife und Fortaleza, wo man zwischen den Ärmeren des Landes eingekeilt ist.

Der Umgang mit Diversität ist ein Balanceakt zwischen Gleichbehandlung und anerkennender Differenzierung, ohne Probleme und Schwierigkeiten zu personalisieren, zu kulturalisieren oder zu ignorieren. Dies bedarf einer ständigen Reflexion und der Kritik vorherrschender Kategorisierungen, eigenen Denkweisen und Handlungen. (Die Fußball-EM bietet uns hier ein weiteres Lernfeld.)

Was bringt es nun aber einer Gesellschaft, Vielfaltskompetenz zu entwickeln?

  • Stabilität (in Veränderungen),
  • Kreativität und Innovationsfähigkeit,
  • und Wachstum in völlig neue Bereiche!

Jedem Menschen auf dieser Welt geht es darum, ein gelingendes Leben in Wahrung von Selbstachtung und Identität leben zu können.

Integration alleine führt in die Irre. Es geht um einen „pragmatischen Humanismus“, der in der Vielfalt der Identitäten keine Bedrohung, sondern eine Chance sieht. Nicht nur Flüchtlinge müssen integriert werden, sondern alle Menschen! Sei es nach Geschlecht, Herkunft, Bildung, sexuelle Orientierung, Behinderung, Alter oder Religion. Intelligente Integration greift Vielfalt auf und nutzt sie für eine innovative Fortentwicklung der Gesellschaft und damit auch der Wirtschaft.

Immer mehr Menschen auf der Welt verlassen ihre Heimatländer, um woanders zu leben und zu arbeiten. Waren es 1990 noch 154 Millionen, leben heute knapp 232 Millionen Menschen in einem anderen Land als dem, in dem sie geboren wurden, so viele wie noch nie zuvor. Wie kann dieser globale Trend zu einem Gewinn für alle werden?
Über die Grenzen vollzieht sich ein Transfer von Wissen und Fähigkeiten, wobei gerade „weiche“ Fähigkeiten für die Zukunftsfähigkeit einer Person, einer Stadt oder eines Landes von Bedeutung sind. Die wenigsten Migranten sind Flüchtlinge, die aus der Not heraus ihr Land verlassen müssen. Die Vereinten Nationen schätzen ihren Anteil an den weltweiten Migranten auf circa sieben Prozent. Die restlichen 93 Prozent sind „Leute, die aus ihrem Leben etwas machen wollen“. Insgesamt übertrifft die Emigrationsrate der Hochqualifizierten die der Geringqualifizierten bei weitem. (so das Dossier „World Migration in Figures“ der Vereinten Nationen.)

Die Diskussion wird hier oft von irrationalen Ängsten dominiert – und auch von einer gewissen Arroganz, denn die attraktivsten Einwanderungsländer der Welt liegen keinesfalls nur in Europa. Die größte Zahl internationaler Migranten lebt in den USA, gefolgt von Russland. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind attraktive Arbeitgeber für Menschen aus aller Welt geworden. Und Migranten aus afrikanischen Herkunftsländern gehen lieber nach China als nach Europa, wo mehrere Tausend multinationale Unternehmen angesiedelt sind. Der Anteil der wandernden hochqualifizierten Afrikaner z. B. liegt derzeit weltweit bei ca. 3,5 Millionen.

Vielfalt bedeutet immer mehr Komplexität. César Hidalgo vom MIT hat gemeinsam mit der Universität Harvard den „Atlas of Economic Complexity“ herausgegeben. Die Botschaft ist simpel: Je komplexer die Wirtschaft eines Landes aufgestellt ist, desto robuster und resilienter ist sie auch. Dabei haben die Wissenschaftler auch einen Komplexitätsindex entwickelt, den ECI (Economic Complexity Index (siehe atlas.cid.harvard.edu/rankings/). Je komplexer und vielfältiger die vorhandenen Fähigkeiten, desto größer sind die Zukunftschancen für die Wirtschaft eines Landes.

Umstände werden immer schwerer berechenbar. Resilienz und Erneuerungskompetenz sind die Fähigkeiten, auf die wir in unserer Wissens-Ökonomie auf dem Weg in eine unberechenbare Zukunft ganz massiv angewiesen sind. Ohne Migration keine Diversität, und ohne Diversität weniger Resilienz und Kreativität.

Noch zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte der Welt gab es so etwas wie ein globales Gleichgewicht. Globalisierung bedeutet letztlich die permanente Anpassung von Ungleichgewichten. Damit ist nicht gemeint, alles scheinbar Unbrauchbare in ein anderes Land zu verschieben, wie Elektronik- und Giftmüll oder auch Menschen… sondern gemeinsam aus den Defiziten neue Wege zu erfinden. Evolution bedeutet per se „zunehmende Komplexität“ und führt uns in eine Zukunft, in der das gesamte vernetzte System „Welt“ robuster und stabiler werden kann… wenn wir es zulassen.

Denn… eines habe ich auf unserer Reise hautnah erfahren: wir dürfen die Welt nur als Ganzes betrachten. Eine vermeintlich schützende Abgrenzung in politische Teile ist sinn- und zwecklos. Die Zukunft wird uns lehren, uns als Erdenbürger betrachten zu müssen, die landeseigene Vor- und Nachteile managen und global ausgleichen müssen.

Beginnen wir mit unseren Handlungen, das zu leben! Jetzt.

Ihre Cornelia Scala-Hausmann

Von Risiken und Lebensfreuden…
Ich sitze gerade im Zug von Wien nach St. Veit, wo sich mein Leben neu organisieren wird. Nichts ist wie es war. Die Sachen, die mir vor der Reise wichtig waren, sind iim friendShip in Pulst, vieles ist in Kisten verpackt. Meine Wohnung in St. Veit habe ich gekündigt, mein Wohnbüro in Wien ist vermietet.

Wie wird es weiter gehen? Beinahe ein Jahr lang waren mein zu Hause zwei schwimmende Rümpfe, die der Wind antrieb. Der Lebensraum war groß und klein zugleich. Es gab viele Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen aus aller Welt. Schicksale wurden offenbart, Erfahrungen ausgetauscht, Freundschaften geschlossen. Weltenbürgertum gelebt. Ich merke, dass ich eine andere Zeitwahrnehmung habe… und mehr Gelassenheit. Noch nie habe ich mich so langsam durch Wien bewegt.

Wirkliche Langzeitsegler sind ein eigenes Volk. Sie leben Nomadentum und lieben die Unabhängigkeit. Sie sind autark und offen, ehrfürchtig gegenüber den Elementen, respektvoll und hilfsbereit gegenüber Menschen. Sie haben das Leben anstatt das Geld gewählt und finden ihre Freiheit in der Genügsamkeit.

Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt.
(Albert Einstein)

So zum Beispiel Saulius, ein litauischer Biologe, der mit 25jähriger Tochter und ihren zwei Freundinnen seit zwei Jahren auf einem schönen, alten Holzsegelboot unterwegs ist. Ein einziger Raum für vier Personen, kein Strom, Kübelklo, Wasser in Kanistern, keine Instrumente, nur Kartennavigation von Kopien, die er sich von anderen Seglern beschafft hat. Sie lassen das Leben an sich heran, sie planen nicht, sie beobachten nur genau, was um sie herum geschieht. In jeder Ankerbucht waren sie recht schnell mit den dortigen Familien vertraut, kochten mit den Frauen und fischten mit den Männern. Saulius segelt wieder nach Litauen zurück, wo seine Frau wartet, um dann das Boot gegen ein mobiles Haus einzutauschen. Ihr zuliebe.

Marcel, ein deutscher Einhandsegler, war Fallschirmspringer bei den Blauhelmen in Afghanistan. Er erzählt uns einige seiner Erlebnisse.
„ …eine Meldung kam rein, dass einer unserer Trupps von einem afghanischen Dorf, dem wir geholfen hatten, plötzlich gefangen genommen wurde. Freischießen war die letzte Lösung. Keiner wollte das. Also wurde Lösegeld gezahlt. 30.000 US für die Freilassung. Damit war zu rechnen. Der Dorfchief musste so agieren – seine einzige Möglichkeit… denn er wusste genau, dass die Blauhelme demnächst abziehen würden und danach hat er keinen Schutz mehr gegen den Taliban. Also musste er dort jetzt schon gute Stimmung für sich machen.

Alles ist ein Spiel um Geld und Leben. Soldaten gelten dabei als Gut. Es gibt genau vereinbarte Gelder, die die USA bei einer Tötung von afghanischem „Gut“ zahlen musste… ein Esel ist 200,- US, ein Wasserbüffel 800,- und ein Soldat nur 600,- US Dollar wert. Die Familie des Soldaten bekommt 200,- der Rest landet in den Taschen der Machthaber. Oft haben wir die afghanische Armee aus nächster Nähe gesehen… die Soldaten sind arm dran, sie kämpfen in Turnschuhen und Baumwollhosen! Ihre Kampfkraft ist schnell vorüber. Die Gegner wissen das und nützen es taktisch. Die Aktionen der Blauhelme verändern auf Dauer nichts wirklich. Der Sinn der eigenen Mission ist oft fraglich…“

Marcel trat nach 15 Jahren aus der Armee aus. Er wollte statt Geld mehr Leben. Mit Reisen. Er war schon mit dem Motorrad durch Europa unterwegs, als Fallschirmspringer sowieso immer im Flieger…. etwas neues musste her. So kaufte er sich ein kleines Segelboot (34 Fuß) und segelte einfach, ohne Vorkenntnisse, los. Für ihn ein sehr kleines Risiko im Verhältnis zu seinem bisherigen Job!

Wenn ein Mensch behauptet, mit Geld ließe sich alles erreichen, darf man sicher sein, dass er nie welches gehabt hat.
(Aristoteles Onassis)

Es gäbe noch viele Geschichten von besonderen Begegnungen auf See. Diese Menschen haben jedoch eines gemeinsam. Sie können nicht mehr zurück in das sogenannte „normale Arbeitsleben“. Sie brauchen die Natur und ihren Freiraum. Im Gegensatz zu einem Einsiedler in den Bergen lernen sie die Welt kennen. Sie haben eine andere Sicht auf die Dinge, schauen nicht von oben herab, sondern blicken auf Augenhöhe zum Horizont… Dieser Horizont wird immer weiter und lässt Kleinlichkeiten zurück. Die Welt wird als ganzes gesehen und nicht nur bis zur Staatsgrenze ihrer Heimat…

Wäre dieser Blickwinkel nicht für viele, oder gar für alle Probleme dieser Welt von Nutzen?

Es geht nicht darum, Grenzen zu verschieben, sondern ihnen den trennenden Charakter für die Menschen zu nehmen.
(Richard von Weizäcker)

Wir sehen uns auf den Tagen der Zukunft…

 

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

>> Details zur Reise: www.florimell.at >> Aktuell

Wenn man eine Reise tut, ist es besser, an gewisse Dinge nicht zu denken. Dennoch ist es ratsam, wachsam und wahrnehmend durch die Welt zu gehen. Zum Überleben steht die Wahrnehmungsfähigkeit an erster Stelle. Auch wenn es heißt, die „Dummen haben das Glück“ – so sehe ich das eher in der Richtung, dass der Dumme ja nur Glück haben kann. Was sonst?

In manchen Momenten wird uns bewusst, dass wir nur an einem seidenen Faden hängen. Und wir sind froh, wenn diese Augenblicke vorüber ziehen und wir dieses Bewusstsein wieder in psychische Tiefen abtauchen lassen können. Es gibt sicherlich unzählige Situationen, wo wir, von uns völlig unbemerkt, am Rande unserer physischen Existenz entlangschrammen. Und andere machen es uns mit aller Brutalität bewusst.

Jeder von uns geht ein Risiko ein, dozierte die Spinne, als die Fliege in ihrem Netz zappelt, mein Leben zum Beispiel hangt ständig am seidenen Faden.
(Ole Anders, deutscher Publizist)

In Österreich und Europa haben wir das Privileg, wenig mit solchen Situationen konfrontiert zu werden. Außer im Krankheitsfall. In anderen Ländern werden wir andauernd damit konfrontiert (Syrien) Auf Reisen, abseits geschützter Ressorts, begegnen wir unserem Lebensfaden in bestimmten Ländern eher als in anderen (z.B. Brasilien, Venezuela, Mexiko etc.) Ein gewisses Risiko gehört schließlich zum reisen dazu, will man persönlich eine Entwicklung erreichen. (Newsletter Juli 2014: http://www.zukunftskompetenzen.at/blog/2014/07/) So durften wir auf dieser unserer Reise auch eine bewusste Konfrontation mit unseren seidenen Lebensfäden erleben:

Fortaleza, Brasilien.
Wir erreichen den Hafen um 23.00 und gehen vor dem Yachtclub vor Anker. Nach einem Ankunftsbier im Cockpit entschließen wir, in die Koje zu gehen… Harald nimmt sicherheitshalber die Leuchtpistole mit. Die große Achterluke direkt über uns, 3 m vom Heck entfernt, lassen wir offen und löschen das Licht.

Plötzlich… ein Geräusch am Heck… dann zwei Schritte an Deck!

Harald schnappt die Signalpistole und springt aus der Luke. Gerade noch rechtzeitig… Ein Mann kommt mit einem Messer auf ihn zu, während zwei weitere aufs Boot steigen…. Mit einem „Hey!“ richtet Harald die Leuchtpistole auf den Näherkommenden… dieser zögert, ob er trotzdem angreifen soll, doch als Harald nochmal entschlossen auf ihn zuhält, springt er und die beiden anderen Hals über Kopf ins Meer und suchen das Weite!

In Windeseile lichte ich den Anker, während Harald die Motoren startet… wir fahren mit Vollgas zwischen Wracks, Frachter und Bojen aus der Ankerbucht hinaus, das Holzboot der Räuber, das sie an der Reling festgebunden hatten, im Schlepptau. Weiter draußen überlassen wir es der Strömung.

Jetzt beginnen wir erst nachzudenken… was wäre gewesen, wenn…!?

 

Unser tiefgründigster Leitfaden in unseren Werdungsprozess ist die Fähigkeit, unser zukünftiges Selbst aus den unzähligen, uns vorliegenden Möglichkeiten zu formen. Das erfordert Mut und Anstrengung, aber es gibt uns auch Hoffnung, Hoffnung, dass wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen können.

Harald ist schon mehrmals auf seinen Segelreisen mit lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert gewesen. Er war immer so gut es ging vorbereitet. Doch wir kennen auch viele Situationen, in denen vorbereitete Segler getötet wurden. Ihr Lebensfaden riss. Mitten im Traum ihres Lebens.

Hängen all Deine Wunschträume am seidenen Faden, so beginne, ihn auf eine Spule zu wickeln, um Dir daraus ein neues Gewand zu nähen.
(Ursula Schachschneider, Autorin)

So dürfen wir alle unseren Lebensfaden noch ein wenig weiter spinnen und erkennen hoffentlich rechtzeitig, wenn er aus bloßer Unachtsamkeit zu reißen droht, vielleicht auch aus einer zu langen, starren Fixierung heraus, die ihn spröde und brüchig werden lässt. Doch in dieser Achtsamkeit wollen wir unser Leben mit jedem Atemzug genießen!

Und sollt ich noch einmal die Tage beginnen, ich würde denselben Faden spinnen.
(Theodor Fontane)

 

Grüße von Bord der Florimell,

Ihre

Cornelia Scala-Hausmann

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